„Greta und ich“-Kolumne.

MUTTER: Ganz schön was los in Berlin dieses Wochenende. Demonstranten, Polizei, Politik – alle in Aufruhr.

TOCHTER: Ist doch nachvollziehbar, dass die Corona-Demonstranten sich gegen das Verbot wehren und Tausende neue Demos anmelden. Man kann doch nicht einfach ’ne Demo verbieten.

Aber es war absehbar, dass es zu Krawall kommt und das Verbot ist ja auch nicht einfach so passiert. Bei der letzten Demo dieser Art wurden null Abstände eingehalten. Es war auch diesmal ein Haufen Corona-Leugner zu erwarten und viele hatten direkt angekündigt, dass sie sich an nichts halten wollen.

Aber wir sind durch Corona sowieso schon in unseren Grundrechten massiv eingeschränkt, können uns nicht mehr völlig frei überall hinbewegen. Jetzt auch noch das Demonstrationsrecht zu beschränken mit der Begründung, dass die Abstände zu gering sind, geht nicht. Ich sitze in der Schule auch eng an eng an den Leuten dran. Das interessiert auch keinen.

Stimmt, es gibt viele Brüche in den Beschlüssen. Aber es ist auch bizarr. Wenn ich leugne, dass es Corona gibt oder richtig ist, Maßnahmen zu ergreifen und Rechte zu beschneiden und benutze eine Demonstration, um genau diese Regeln zu unterlaufen und mich mit meinen Vorstellungen durchzusetzen, dass ist dann nicht mehr Meinungsäußerung, sondern Aktivismus.

Ja, na klar. Ich bin auch überhaupt nicht mit denen einer Meinung. Ich finde es total bescheuert, dass sie dagegen demonstrieren gehen. Ich finde das hirnverbrannt. Aber trotzdem kann man ihnen nicht das Recht zu demonstrieren aberkennen. Dann muss man dafür sorgen, dass die Leute, die Gewalt angekündigt haben, nicht hingehen können oder genug Einsatzkräfte hinschicken. Man verbietet ja auch keine rechten oder linken Demos.

Es sind schon eine ganze Reihe Demos verboten worden. Es kommt immer darauf an, ob davon Gefahr ausgeht. Und jetzt geht es eben um Abstandsregeln. Wie soll man denn verhindern, dass 15.000 Leute dicht an dicht stehen.

Na, man kann es nicht verhindern. Aber man kann auch kein Grundrecht außer Kraft setzen. Jeder, der da hingeht, setzt sich selbst einem Risiko aus.

Aber sie setzen ja nicht nur sich einem Risiko aus, sondern alle anderen auch. Wenn sie sich dort gegenseitig anstecken und dann Freunde, Familie und Arbeitskollegen und die wieder andere anstecken. Ich habe doch auch ein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Das ist auch ein Grundrecht.

Man muss eben dafür sorgen, dass keine Gefahr davon ausgeht.

Das geht nur mit Auflagen. Es sind ja Demos möglich. Es gibt Fahrradkorsos, Autodemos und alles Mögliche. Aber dicht an dicht geht eben nicht. Ist natürlich schwierig mit Leuten, die genau das bestreiten. Umgekehrt ist es natürlich auch bizarr. Wenn ich demonstrieren will, weil ich bezweifle, dass Abstandsregeln notwendig sind und dann wird mir das verboten mit dem Verweis auf Abstandsregeln. Das würde ich auch nicht einsehen, wenn ich vor hätte, aus diesen Gründen zu protestieren.

Mir geht es ums Prinzip. Ich finde, man kann keine Demonstrationen verbieten, egal aus welcher Ecke sie kommen.