MUTTER: Hast du neulich die Debatte um die Einfamilienhäuser verfolgt? Sie drehte sich um die Frage, ob es noch zeitgemäß ist, Einfamilienhäuser zu bauen. Es geht um die Zersiedlung der Landschaft, um Klimaschutz. Und es geht um eine platzsparende Form des Bauens.

TOCHTER: Aber das Einfamilienhaus, ein kleiner Garten ist doch der Traum vieler Leute. Den kann man ihnen doch nicht einfach verbieten. Klar, vielleicht nötig fürs Klima, aber doch ein tiefer Eingriff ins Privatleben. Ich würde dann nie die Möglichkeit haben, ein eigenes Haus zu haben. Müsste immer in einer Wohnung leben, ohne Garten.

Das muss es doch gar nicht heißen. Es geht aber nicht, dass immer neue Flächen bedeckt werden. Man könnte doch an der Stelle, wo schon etwas ist, neue Häuser bauen. Nicht immer neue Baugebiete ausweisen. Die sind echt eine Pest, diese legolandartigen Auswüchse der Dörfer, wo alles gleich aussieht und die Menschen eng wie in der Wohnung zusammenleben.

Die haben aber einen Garten und die Häuser sind auch größer als eine Wohnung. Wir wohnen doch auch in einem Haus mit Garten.

Ja, aber in einem alten Haus. Wir haben nicht auf der grünen Wiese neu gebaut. Die Idee, immer neue Gebiete zu bebauen, dort, wo vorher Felder waren oder Wiesen, die ist doch schlecht. Die Städte ufern immer mehr aus. Und schau dir mal die Dörfer an: eine alte Dorfstraße und drum herum riesige neue Siedlungen.

Wenn ein richtiger Wald abgeholzt wird, finde ich es auch nicht richtig. Aber wie viel unberührte Natur haben wir denn? Wo ist bitte der Schaden, wenn man auf einem pestizidverseuchten Feld eine Siedlung hochzieht. Den Boden kann man eh vergessen. Die Landschaft ist furchtbar hässlich. Dann kann man auch kleine Häuser hinstellen. Das ist so was von egal.

Vielleicht könnte man aber auch die Städte umbauen. Damit da irgendwann nicht mehr so viel Dreck, Lärm und Enge herrscht. Die meisten würden bestimmt lieber in der Stadt leben. Dort gibt es für sie aber keine Möglichkeiten, die familientauglich und bezahlbar erscheinen.

Klar, die Städte müssen umgebaut werden. Aber ich finde es schwierig, Menschen zu verbieten, ihren Traum vom Einfamilienhaus umzusetzen. Das ist ungerecht. Warum durften es meine Eltern und Großeltern, aber ich nicht in Zukunft?

Ums Verbieten geht es doch gar nicht. Aber klar, wenn rund um die Städte weniger Baugebiete ausgewiesen würden, gäbe es auch die Möglichkeiten nicht mehr.

Das zwingt die Leute dann einfach nur weiter raus. Wenn die Städte zu eng sind und zu teuer, ziehen die Menschen weg. Das ist doch blöd. Man muss es besser verteilen. So wie es jetzt ist, die Speckgürtel werden immer breiter und weiter draußen zerfallen die Dörfer, ist es jedenfalls nicht günstig. Junge Leute wollen übrigens immer noch in die Stadt. Da muss man was machen, die Städte verbessern und es gleichzeitig attraktiver machen, wirklich aufs Land zu ziehen. Und nicht aufs Pseudoland, wo man Berlin noch sehen kann. Womit man dann aber weiter draußen die Landschaft zersiedelt, Bahnstrecken braucht und Autobahnen. Ich sehe keine wirkliche Lösung, entweder wird die Landschaft zerstört oder man muss den Leuten das Bauen verbieten und sie müssen in Hochhäusern wohnen. Das ist effektiver, aber nicht schön zu wohnen. Da verstehe ich jeden, der das nicht möchte.