Köln - Der frühere Berliner Rapper und Radikalislamist Denis Cuspert ist in einem mutmaßlichen Enthauptungsvideo der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu sehen. Ein am Dienstagabend im Internet aufgetauchtes Video zeigt Cuspert gemeinsam mit anderen IS-Kämpfern, die mehrere Männer umbringen. Es ist nicht zu erkennen, ob Cuspert selbst Opfer tötete. Er hält aber einen abgeschnittenen Kopf in der Hand. Die Echtheit des Films konnte zunächst nicht bestätigt werden.

In dem Video ist zu sehen, wie mindestens ein Mann erschossen und einem weiteren der Kopf abgeschnitten wird. Insgesamt sind drei Tote erkennbar. Cuspert, der in Deutschland als der Rapper Deso Dogg bekannt war, sagt in deutscher Sprache, es habe sich um Gegner des Islamischen Staates (IS) gehandelt. „Deshalb haben sie die Todesstrafe bekommen“, sagt Cuspert. Ein weiterer Mann sagt auf Arabisch, es handele sich um Mitglieder des syrischen Al-Schaitat-Stammes. Wo genau das Video aufgenommen wurde, ist unklar.

Laut Nachrichtenagentur dpa wurde das Video von Aktivisten aus der ostsyrischen Provinz Dair as-Saur verbreitet, die über Verbrechen im syrischen Bürgerkrieg berichten. Die Aktivisten machen keine Angaben darüber, von wann die Aufnahmen stammen und wie sie in ihren Besitz gelangten. Im Hintergrund ist ein Satz eingeblendet, der auf die syrische Stadt Deir ez-Zor hindeutet. Der Ort werde "leise abgeschlachtet".

Der Berliner Verfassungsschutz hat längst ein umfassendes Dossier über den Musiker erstellt. Demnach soll Cuspert inzwischen Zugang zum Führungszirkel des IS haben.

Vom Rapper zum Salafist zum Terrorist

Dennoch ist nicht ganz geklärt, wie es genau zur Wandlung des Jungen aus Berlin-Kreuzberg gekommen ist. Denis Mamadou Gerhard Cuspert ist Sohn eines ghanaischen Vaters und einer deutschen Mutter. Der Vater verließ die Familie früh, mit dem Stiefvater, einem Angehörigen der US-Armee, kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen.

Es gab eine Zeit, da wollte Denis Cuspert mit Hip Hop ganz groß rauskommen. Als Gangsta-Rapper Deso Dogg reimte der Berliner über schnelle Autos, schöne Frauen und das schillernde Leben abseits der Norm. Mit Zeilen wie „Keiner kann mich halten, ich werde Eure Schädel spalten“ besang er vor wenigen Jahren noch den Kreuzberger Ghetto-Lifestyle. Das dazugehörige Album erschien 2010. Danach endete die Laufbahn schlagartig.

Cuspert wandte sich der kriminellen Szene zu, schloss sich einer Gang an, kam immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt und verbrachte einige Zeit in der JVA Tegel. Angeblich aus Enttäuschung über die deutsche Rapper-Szene beendete er seine Karriere und kündigte an, künftig als islamischer Prediger Abu Maleeq aufzutreten, aus dem später Abu Talha al-Almani wurde.

Kontakte zu radikalen Predigern

Auch damals hatte er immer wieder Probleme mit den Justizbehörden. In seinen Filmen lobte er die Taten von Osama bin Laden. Die Staatsanwaltschaft Berlin nahm Ermittlungen wegen Volksverhetzung aus. Vermutlich Ende 2011 zog der Konvertit nach Bonn, um sich der dort stetig wachsenden Gruppe der Salafisten anzuschließen. Er knüpfte Kontakte mit anderen radikalen Predigern wie Pierre Vogel, mit dem er sich ebenfalls beim gemeinsamen Plausch filmen ließ.

Zweifel, dass sich Cuspert voll und ganz dem Dschihad verschrieben hat, gibt es schon lange nicht mehr. In zahlreichen Videos verherrlicht er den Heiligen Krieg der Muslime gegen die „Ungläubigen“. Eines davon ist eine langatmige Abhandlung über den Tod, das in einem Krankenhaus an einem unbekannten Ort aufgenommen wurde. In Tarnkleidung und unterlegt von islamischen Gesängen bezeichnet er im Film Polizei und Verfassungsschutz als Feinde der Muslime.

Cuspert hat zudem bewiesen, dass er selbst zu Gewalttaten fähig ist. Angeblich im Namen Allahs führte er im Mai 2012 bei einer Salafisten-Demo in Bonn an vorderster Linie den Knüppel gegen die Polizei. Bei den Auseinandersetzungen wurde ein Beamter durch einen Messerstich schwer verletzt. Der Täter sitzt inzwischen eine sechsjährige Haftstrafe ab. Vom singenden Glaubensbruder Cuspert wurde er in einem Hetzlied hernach als „Löwe Murat K.“ gefeiert. Gegen Cuspert selbst wird seitdem wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs in einem besonders schweren Fall ermittelt, auch ein Haftbefehl liegt vor.

Dem IS-Anführer die Treue geschworen

Danach hat er sich dem Vernehmen nach wohl über Ägypten nach Syrien abgesetzt. Dort soll er sich der dschihadistisch-salafistischen Al-Nusra-Front angeschlossen haben, um sich am Kampf gegen die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad zu kämpfen. In einem Video, das im Frühjahr dieses Jahres im Internet aufgetaucht ist, hat Cuspert dem Anführer des IS, Abu Bakr al-Baghdadi, die Treue geschworen.

Aber auch im Kriegsgebiet bleibt Cuspert von den Behörden angeblich nicht unbeobachtet. Die Bundesanwaltschaft verfolgt die Bewegungen der deutschen Kämpfer in Syrien genau, sagte ein Sprecher noch im vergangenen Jahr. Es geht um den Verdacht auf Unterstützung einer terroristischen Vereinigung und Verstöße gegen das Völkerstrafrecht.

Seinen Einsatz für den Dschihad hat Cuspert beinahe mit dem Leben bezahlt. Bei einem Bombenangriff in Aleppo soll er schwer verletzt worden sein, lag angeblich sogar im Koma. In einem Video, das im August 2013 veröffentlicht wurde, ist er allerdings noch oder auch wieder sehr lebendig. Mit einem Lächeln im Gesicht erklärt er, was ihm sein eigener Tod bedeuten würde: „Auch wenn ich gestorben wäre, wäre ich Shahid geworden. Und das ist die größte Freude, die ich überhaupt haben kann.“ Shahid bedeutet Märtyrer.