Der Journalist Denis Yücel ist seit fast zwei Wochen in der Türkei inhaftiert. Ihm wird die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie Terrorpropaganda und Hackerangriffe vorgeworfen. Er muss spätestens am Dienstag einem Haftrichter vorgeführt werden, dann entscheidet sich, ob er freikommt oder ein Haftbefehl gegen ihn erlassen wird.

Kanzlerin Angela Merkel hatte bereits auf der Münchner Sicherheitskonferenz am vergangenen Wochenende mit dem türkischen Ministerpräsidenten über den Fall gesprochen, am Freitag hatte das Auswärtige Amt erklärt, man setze sich für Yücel ein. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) kritisierte am Sonntag die lange Dauer des Polizeigewahrsams. In Yücels Heimatstadt Flörsheim demonstrierten 300 Menschen gegen die Festnahme.

In der Welt am Sonntag schildert Yücel selbst seine Haftbedingungen. Die Informationen gelangten über seinen Anwalt nach draußen. Darin bezeichnet der Welt-Korrespondent den Polizeigewahrsam als Haft, weil er seit der Verhängung des Ausnahmezustands in der Türkei  als Bestrafungsinstrument verwendet werde. Ihm selbst gehe es soweit gut, gegen Magen-Darm-Probleme habe er Tabletten erhalten. Er sei in einer Zelle von etwa 2,10 Meter Breite und 3,5 Meter Länge untergebracht: „Man hört ab und zu die Straßenbahn. Sonst keine Geräusche und kein Tageslicht.“ In den Zellen seien bis zu vier Leute untergebracht, er selbst sei mit einem oder zwei Zellengenossen eingesperrt, an manchen Tagen sei er auch allein gewesen.

Auf dem Korridor vor der Zelle brenne unentwegt Neonlicht. „In den Zellen ist es stets schummrig: Zu hell zum Schlafen, zu dunkel zum Lesen. Geht aber beides irgendwie.“ Stift und Notizblöcke seien ihm verboten,  Bücher – „sofern politisch unbedenklich“ – jedoch erlaubt. „Ich habe hier keine Gewalt gesehen und von keiner gehört“, so Yücel weiter. Es gebe täglich eine medizinische Untersuchung. Beim Transport in eines der benachbarten Krankenhäuser sei er die einzigen Minuten an  frischer Luft und sehe Tageslicht. In der Klinik untersuchten die Ärzte die Gefangenen flüchtig auf Folterspuren.

Die Gefangenen bekommen dreimal am Tag zu essen, mittags und abends Gemüse oder Fleisch  aus Dosen. „Ich wärme die Konserven zwischen den Heizrohren der Heizung auf dem Korridor auf. So gut es geht.“  Für 70 Gefangene gebe es vier Toiletten, geputzt würden sie nicht. „Ich habe in  9 Tagen zweimal geduscht.“ Rauchen sei verboten: „Nach 9 Tagen für mich immer noch das Schlimmste.“

Sein Anwalt darf täglich kommen, ansonsten ist kein  Besuch erlaubt. Yücel bedankt sich für die Solidarität: „So unglaublich gut zu wissen, dass ich hier nicht allein bin und vergessen werde.“ (cd.)