Wenn Kinder mehr politischen Einfluss hätten, gäbe es zumindest mehr Spielplätze. Und schönere.
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BerlinHermann Otto Solms sitzt in seinem geräumigen Bundestagsbüro im Jakob-Kaiser-Haus und wirkt wie ein Politiker, der niemandem mehr etwas beweisen muss. Im November wird der FDP-Politiker 80. Er ist Alterspräsident des Deutschen Bundestages, für eine Wiederwahl in der nächsten Legislaturperiode tritt er nicht mehr an.

Doch Solms hat noch eine Mission. Eine äußerst ehrgeizige dazu: Er kämpft darum, das Wahlalter von 18 auf null Jahre zu senken. Die Verblüffung seiner Gesprächspartner quittiert er mit einem Lächeln. Er ist das Erstaunen, ja sogar Häme angesichts dieses Ansinnens gewohnt. Seit mehr als 15 Jahren setzt er sich für das Projekt ein, wohl wissend, dass es dafür auf absehbare Zeit keine Mehrheit gibt. Er wolle die Diskussion darüber aber am Leben halten, sagt er. Nach der Sommerpause wird er wieder einen Antrag in den Bundestag einbringen, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, durch eine Grundgesetzänderung ein Wahlrecht von Geburt an zu ermöglichen.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand, so Solms. Politiker würden sich immer an jene wenden, die ihnen die meisten Stimmen einbrächten. In Deutschland sind das die Rentner, weswegen Politikerinnen und Politiker im nächsten Bundestagswahlkampf wieder sehr viel Altenheime und Seniorennachmittage besuchen werden. Dass die demografische Entwicklung zu einer politischen Schieflage zu Ungunsten der Jugend führt – mit dieser Meinung ist Solms nicht allein. Aber Kinder wählen lassen? Ja, sagt Solms, und zwar sobald sie das selbst wollen. Die Frage, ob das der Beeinflussung nicht Tür und Tor öffnen würde, kontert er mit dem Hinweis, dass das bei den alten Leuten, deren Helfer sie in die Wahlkabine begleiten dürfen, ja auch niemand so genau weiß, wer da welches Kreuzchen macht. Der FDP-Politiker plädiert dafür, dass Vater und Mutter jeweils eine halbe Wahlstimme mehr beanspruchen dürfen, bis das gemeinsame Kind sie ihnen abfordert. Das dürfte viele interessante Diskussion an deutschen Abendbrottischen geben. Einer zukunftsorientierten Politik in Deutschland würde es wohl eher nützen.