v.l.n.r. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Katja Suding, Ria Schröder,.
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BerlinDie FDP-Frauen greifen an. Pünktlich zum Bundesparteitag der Freien Demokraten, der an diesem Sonnabend in Berlin stattfindet, gründet sich ein neues Frauennetzwerk der Freien Demokratinnen, das vor allem den weiblichen FDP-Abgeordneten und den hochrangigen Funktionsträgerinnen mehr Sichtbarkeit verschaffen soll. Der Auftakt findet an diesem Freitag statt. Eingeladen haben Nicole Bauer, frauenpolitische Sprecherin der FDP im Bundestag, und Maren Jasper-Winter, die diese Rolle im Berliner Abgeordnetenhaus übernimmt.

Es gebe in der FDP schon heute viele versierte Fachpolitikerinnen, von denen es einige bis ganz nach vorne geschafft hätten und die auch vermeintlich frauenuntypische Themen besetzten, sagt Jasper-Winter der Berliner Zeitung. Als Beispiele nennt die Co-Initiatorin die frühere Vorsitzende des Finanzausschusses im Bundestag, Bettina Stark-Watzinger, und die verteidigungspolitische Sprecherin der Fraktion, Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

Die vielen Frauen müssten aber sichtbarer werden. „Deshalb möchten wir uns stärker vernetzen und uns gegenseitig noch besser unterstützen. Mir ist besonders wichtig, dass wir dabei auch in die Fläche gehen und die Frauen in der Landes- und Kommunalpolitik mitnehmen.“

An fähigem Personal mangelt es nicht. Über alle Altersschichten hinweg sind Frauen in der FDP in politischen Ämtern vertreten; neben Stark-Watzinger und Strack-Zimmermann, die sich gerade erst um das Amt als Düsseldorfs Oberbürgermeisterin bemühte, über die ehemalige Vorsitzende der Jungen Liberalen Ria Schröder bis zur Noch-FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg.

Allerdings räumen nun gleich zwei FDP-Frauen ihr Spitzenamt: Linda Teuteberg wird am Sonnabend nach nur etwas über einem Jahr als Generalsekretärin durch Volker Wissing ersetzt werden. Und erst kürzlich kündigte die stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Katja Suding ihren Rückzug aus der aktiven Politik an. Zwar betonte Suding, ihr Ausscheiden habe nichts mit einer vermeintlich Benachteiligung von Frauen in ihrer Partei zu tun, sondern sei eine rein persönliche Entscheidung.

Sie glaube nicht, dass Frauen es in der Politik per se schwerer hätten als Männer, sagt Suding im Gespräch mit der Berliner Zeitung. „Dafür bin ich selbst ja ein gutes Beispiel.“ Steine seien ihr nie in den Weg gelegt worden, nur weil sie eine Frau ist.

Auch mühen sich die Parteimitglieder – egal, ob männlich oder weiblich – dem Eindruck entgegenzuwirken, dass Parteichef Christian Lindner besonders schwierig in der Zusammenarbeit wäre. Doch das Image der FDP als Partei für besser verdienende Männer in mittleren Jahren hält sich. Nur knapp über 20 Prozent der FDP-Mitglieder sind Frauen – nur bei CSU und AfD sind es noch weniger. 

„Natürlich betrübt mich der geringe Frauenanteil in meiner Partei“, sagt Katja Suding. „Das sollte sich ändern. Wenn man sich aber die Frauen anschaut, die in der FDP sind: Diese haben überproportional große Chancen, in Führungspositionen zu gelangen.“

„Wir Freie Demokraten wären an und für sich die Heimat für selbstbestimmte, unabhängige Frauen, die ihre Potenziale entfalten wollen“, sagt Frauennetzwerk-Mitinitiatorin Nicole Bauer. „Insofern muss es uns besser gelingen, unsere Ideen noch stärker in die Öffentlichkeit zu tragen und gerade Frauen damit zu erreichen.“

Mit der Quote können die meisten FDP-Frauen hingegen wenig anfangen. Vergangenes Jahr sorgte eine Zielvereinbarung, die den Frauenanteil erhöhen sollte, für einen kleinen Aufstand unter einigen Parteimitgliedern. Die Regelung sah vor, dass sich der Bundesvorstand mit den Landesverbänden über eine Erhöhung des Frauenanteils verständigt. Das sei eine „Frauenquote light“, monierten Kritiker. Das widerspreche dem parteiinternen Grundsatz des Individualismus und der Chancengerechtigkeit.

„Ich denke, eine Quote löst das Problem nicht“, sagt Nicole Bauer. Das liege viel tiefer. „Unsere Gesellschaft ist in vielen Bereichen – ob Politik oder Wirtschaft – noch sehr männlich geprägt. Hier muss sich etwas ändern: bei den Rahmenbedingungen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und bei der Kultur, wann wie und wo Entscheidungen gefällt werden.“ Das aber gehe nicht mit der Brechstange, sondern nur gemeinsam. „Ich plädiere für ein gutes Talentmanagement, für eine nachhaltige Chancenverwirklichung.“

Gerade jüngere FDP-Politikerinnen stehen einer Frauenbeteiligung per Verordnung kritisch gegenüber. „Das halte ich nicht für ein gutes Instrument“, sagt auch die 28 Jahre alte Ria Schröder. „Wir wollen andere Wege finden, damit mehr Frauen Lust haben, sich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen.“

Es müsse eine Selbstverständlichkeit sein, dass Frauen in Führungspositionen streben, sagt Schröder. Sie erlebe immer wieder, wie doppelte Standards dazu führten, dass Frauen kritischer beäugt und Fehler ihnen seltener verziehen würden. Das gelte für die Wirtschaft, aber auch in der Politik: „Wäre Andreas Scheuer eine Frau, hätte er schon längst seinen Rücktritt einreichen müssen.“