Abschreckend: So martialisch soll das Erscheinungsbild bald nicht mehr sein.
Foto: Uhlemann

BerlinDer Terroranschlag vom Breitscheidplatz mit elf Toten jährt sich am 19. Dezember zum dritten Mal. Gut möglich, dass sich der Ort zu dem traurigen Jahrestag in einer Mischung aus Budenzauber und Baustelle präsentiert. Das Areal um die Gedächtniskirche soll erneut umgebaut werden, aus einem Angst-Ort mit der Anmutung eines Hochsicherheitstrakts mit alarmistischer Optik soll ein dezenterer Platz mit Aufenthaltsqualität werden. Doch die Abstimmung zwischen allen beteiligten Behörden ist schwierig – und ein Vorbild für andere, ebenfalls terrorgefährdete Orte in Berlin soll der Breitscheidplatz ohnehin nicht sein.

Der Zeitplan steht noch nicht exakt. Vielleicht noch Ende diesen Jahres, spätestens aber ab Mitte Januar 2020 soll mit der Erhöhung der Mittelstreifen an der Budapester Straße und am Tauentzien, den nördlichen und südlichen Begrenzungen des Breitscheidplatzes, begonnen werden – an der Einmündung der Rankestraße in den Tauentzien, wo es keinen Mittelstreifen gibt, soll einer errichtet werden.

Mittelstreifen statt Hochsicherheitstrakt

Geplant ist eine Erhöhung des Mittelstreifens auf 50 bis 60 Zentimeter – „die genaue Höhe wird gerade abgestimmt“, wie Martin Pallgen, Sprecher von Innensenator Andreas Geisel (SPD), der Berliner Zeitung sagte. Die Mittelstreifen sollen verhindern, dass jemand erneut einen Lastwagen auf große Geschwindigkeit beschleunigen und diesen dann auf den Platz steuern und damit dort Menschen töten oder verletzen kann.

Doch die Umsetzung ist kompliziert, ist so ein Umbau doch ungewöhnlich. So soll es Überfahrtmöglichkeiten für die Feuerwehr geben, Bedenken von Verkehrsplanern aber auch Behindertenverbänden, die auf Barrierefreiheit pochen, sind sicher.

Wie jedes Jahr – bekanntlich auch in jenem des Attentats – soll es wieder einen Weihnachtsmarkt auf dem Platz geben. Ab dem 6. Januar 2020 sollen die Buden abgebaut werden. Gleich danach soll an der Ecke Kant-/Ecke Budapester Straße, von wo aus der Lastwagen vor drei Jahren auf den Platz raste, ein großer „BERLIN“-Schriftzug in Stahlbetonbuchstaben als Schutzwall aufgestellt werden. Der Sockel soll einen Meter hoch werden, die darauf stehenden Buchstaben noch einmal zwei Meter.

Touristen fühlen sich bedroht

Gleichzeitig sollen an der Nord- und der Südkante des Platzes Poller einbetoniert werden, die unter- und oberirdisch miteinander verbunden sind. Sie sollen die massigen Gitterboxen ersetzen, die derzeit das Bild einer Festung komplettieren.

Genau dieses martialische Bild wird seit langem von Geschäftsleuten aber auch der Gedächtniskirchengemeinde kritisiert. Gerade ausländischen Besucher fühlten sich an dem Ort besonders bedroht, finden sie doch solche massiven Sicherheitseinrichtungen sonst nirgends, heißt es. Die Folge: Gäste bleiben weg, die Umsätze von Händlern in der Umgebung gehen zurück. Selbst die Kirchengemeinde zählt weniger Besucher. Das soll nun ein Ende haben, Ziel ist ein „stadtbildverträglicher, permanenter Schutz für den Breitscheidplatz“, wie es aus der Innenverwaltung heißt.

Auch andere Plätze sollen umgebaut werden

Was für den Platz in der City-West gilt, soll auch für weitere potenziell gefährdete Orte gelten. Es gehe „in erster Linie um hochfrequentierte, städtebaulich und touristisch wichtige Orte sowie um Orte mit politischer oder für die Stadt symbolisch wichtiger Bedeutung“, sagte Geisels Sprecher Pallgen. Welche und wie viele dies konkret sein könnten, stehe nicht fest. Man liegt aber sicher nicht falsch, wenn man darunter den Platz der Republik vor dem Reichstag, den Pariser, den Potsdamer oder den Alexanderplatz vermutet. Auch der Checkpoint Charlie, die Friedrich- oder die Wilmersdorfer Straße dürften dazugehören.

Bleibt die Frage der Kosten. Für den Breitscheidplatz geht die Innenbehörde von einem einstelligen Millionenbetrag aus, den das Land Berlin übernimmt. Wer für die Umbauten andernorts aufkommen soll, ist dagegen noch offen.

Umso eindeutiger klingt die grundsätzliche Formulierung aus der Innenverwaltung: „Wir sorgen für notwendigen Schutz im öffentlichen Raum, werden aber nicht die ganze Stadt verpollern.“