Berlin - Der Fall Anis Amri ist ein Albtraum – ein Albtraum für die Sicherheitsbehörden. Denn sie hatten den 24-Jährigen auf dem Schirm. Trotzdem beging er den verheerenden Anschlag vom Breitscheidplatz. Der Fall Amri ist aber, wie sich mehr und mehr herausstellt, auch ein Versagen. Die Indizien, die auf seine Gefährlichkeit hindeuteten, waren nämlich zumindest im Rückblick so erdrückend, dass man sich fragt, wie die Behörden trotz intensiver Befassung zu einer anderen Einschätzung kamen. Das ist hochgradig erklärungsbedürftig.

NSU-Vergleich hinkt

Mit dem Fall NSU ist dieses Versagen nicht vergleichbar. Das nämlich zog sich über mehr als ein Jahrzehnt und hatte auch damit zu tun, dass der Verfassungsschutz etwa im Thüringen der 90er Jahre auf dem rechten Auge blind war – absichtsvoll blind. Ideologische Kumpanei lässt sich im Fall Amri kaum unterstellen. Dennoch ist offensichtlich etwas gründlich schief gelaufen. Und während der NSU zehn Menschen tötete, sind nun zwölf Menschen umgekommen. Viele sind noch schwer verletzt.

Die Ursachen dessen zu untersuchen, macht nicht bloß Sinn, sondern ist zwingend erforderlich. Es ist auch im Interesse der Sicherheitsbehörden. Nicht um politischer Effekthascherei willen – sondern damit sich ein Attentat wie das vom Breitscheidplatz nicht so einfach wiederholen kann. Daran jedenfalls müsste allen Verantwortlichen gelegen sein.