Andreas Kalbitz, war die zweite Führungsfigur hinter Björn Höcke im inzwischen formal aufgelösten „Flügel“ der AfD, der als rechtsextrem eingestuft wurde.
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BerlinEs ist für Laien ziemlich verwunderlich, dass mancher Politiker unbedingt in einer Partei bleiben will, die ihn unbedingt rauswerfen will. Das ist im Fall Thilo Sarrazin so, der am Freitag beim dritten Versuch aus der SPD ausgeschlossen wurde, und das ist bei Andreas Kalbitz und der AfD so. Beide Fälle könnten als parteiinternes Gerangel um zwei prominente Parteimitglieder abgetan werden. Doch nun klagt Kalbitz gegen seinen Rauswurf, und dem Fall wohnt eine potenziell zerstörerische Sprengkraft für die AfD inne.

Denn als der Vorstand sein Mitglied Kalbitz im Mai zum ersten Mal aus der Partei warf, änderte die AfD-Fraktion im Potsdamer Landtag hinterher schnell ihre Satzung und wählte das Jetzt-nicht-mehr-Parteimitglied Kalbitz einfach wieder zum Fraktionschef. Nun, nach dem zweiten Rauswurf durch das Parteischiedsgericht, hat Parteichef Jörg Meuthen von der Fraktion gefordert, dass sie Kalbitz endgültig als Fraktionschef absetzen soll. Sonst würde sich die Fraktion offen gegen die gesamte Partei stellen – und dies würde die Partei sich nicht gefallen lassen. Das klingt klar nach einer Warnung vor einer Spaltung der Partei.

Die AfD ist die erfolgreichste Partei-Neugründung seit Jahrzehnten. Eine Spaltung würde ihren Höhenflug erst einmal deutlich bremsen. Denn in der Wählerschaft gibt es zwei große Gruppen: Die einen – die konservativ-nationalen Kräfte – wählen diese Partei, weil sie Politiker wie den Parteichef Meuthen noch für halbwegs bürgerlich halten. Die anderen wählen die AfD nicht etwa, obwohl Höcke, Kalbitz & Co. dabei sind, sondern gerade weil diese offen radikalen Kräfte einen solch starken Einfluss in der Partei haben. Kräfte, die der Verfassungsschutz als klar rechtsextrem einstuft.

Der Fall Kalbitz könnte zu jenem Spaltpilz für die AfD werden, über den sich die politische Konkurrenz sicher freuen wird.