Aleksander Lukaschenko zeigte sich am Sonntag, den 16. August 2020, bei einer Gegendemonstration in Minsk.
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Minsk/BerlinAm Wochenende verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer: Aleksander Lukaschenko habe Russland zu Hilfe gerufen, um mit russischen Truppen die Proteste in Belarus zu zerschlagen. Schnell kam das Aufatmen: Die Nachricht basierte auf einem Zitat von Lukaschenko, das der Präsident durch die belarusische staatliche Nachrichtenagentur Belta verbreiten ließ. Dort hieß es, Lukaschenko habe mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert und ihm eine Garantie abgerungen, dass Russland mit Truppen aushelfen würde, sollte Belarus dies wünschen. 

Demonstranten, die für Aleksander Lukaschenko auf die Straße gehen, am 16. August 2020 in Minsk. 
Foto:AP/Sergei Grits

Insbesondere Polen hat Angst vor einem neuen Konflikt in Belarus, der dem Ukraine-Desaster ähneln könnte. Doch der Kreml wollte die Nachricht nicht bestätigen und kommentierte das Gespräch in einer Pressemitteilung weit weniger aggressiv. In einer Mitteilung hieß es lediglich, dass Russland „die Allianz zwischen beiden Ländern stärken“ und „destruktive Kräfte“ verhindern wolle, die dagegen vorgingen

Eine Invasion Russlands ist eher unwahrscheinlich - zumindest solange der Belarus-Konflikt ein landesinnerer Konflikt bleibt. Lukaschenko gilt auch in Russland als unsicherer Partner. Seine Machtspiele mit der EU werden ihm negativ ausgelegt, außerdem soll er Gasrechnungen nicht bezahlt haben. Im Interesse Russlands ist lediglich eine belarussische Pufferzone, die unabhängig und russlandfreundlich bleibt. 

Derweil protestiert die Jugend weiter gegen Lukaschenko und zugunsten von Neuwahlen.
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Die aktuellen Proteste, die am Sonntag wieder einen neuen Höhepunkt erreichten, sind ideologisch nicht klar definiert. Die Demonstranten protestieren für Freiheit und Unabhängigkeit, zudem pflegen führende Oppositionspolitiker Kontakte zur russischen Wirtschaft. Lukaschenkos Hilferuf ist also strategisch zu werten: Er hat Angst um seine Macht. Jetzt behauptet er, die Nato würde sich für einen Angriff vorbereiten. Außerdem organisiert er Gegendemonstrationen. All das zeigt: Sein Thron wankt. 

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