Berlin - Der Wochenmarkt am Breslauer Platz in Friedenau ist literarisch schwer vorbelastet. Ehe der Schweizer Schriftsteller Max Frisch dort in der Nähe eine Wohnung bezog, wurde er von seinem Kollegen Günter Grass über den Markt geführt und in „Fischkunde“ unterwiesen, wie es in Frischs Tagebüchern heißt. In Friedenau ist man stolz darauf, dass Grass hier den Fisch kaufte, über dessen Zubereitung er in seinem Romans „Der Butt“ ausführlich schrieb. Der Satz „Ilsebill salzte nach“ gilt heute als einer der berühmtesten Romananfänge deutscher Sprache überhaupt.

Günter Grass versorgte sich aber nicht nur mit Butt und Gemüse, auf dem Breslauer Platz konnte man ihn auch höchstpersönlich bei der Ausübung seines politischen Engagements erleben. Zwar hat Grass Willy Brandt bereits 1961 kennengelernt, in dessen Partei aber trat er erst 1982 ein. In dem Wahlkampf, der ein Jahr später Bundeskanzler Helmut Kohl in dem Amt bestätigte, durch das er per Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt gelangt war, verteilte Grass unprätentiös Meinungen, Einschätzungen und Broschüren an die Wähler.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.