Ein Besucher verfolgt in der Gedenkstätte Deutsche Teilung (GDT) in Marienborn (Bördekreis) die Fernsehaufzeichnung der Pressekonferenz vom 09. November 1989 mit Günther Schabowski.
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BerlinManche Menschen hat der 9. November 1989 berühmt gemacht. So erging es zum Beispiel dem Journalisten Peter Brinkmann. Denn er war es, der an dem Abend bei der legendären Pressekonferenz im Internationalen Pressezentrum der DDR, bei der es um das neue Reisegesetz ging, Günter Schabowski fragte „Wann tritt das in Kraft?“ Woraufhin Schabowski den vielzitierten Satz sagte: „Das tritt nach meiner Kenntnis … Ist das sofort, unverzüglich.“

Brinkmann war am Donnerstagabend ins Centre Bagatelle in Frohnau gekommen, um noch einmal von diesem Abend zu erzählen. Anlässlich des 30. Jahrestags des Mauerfalls hatten die Berliner Zeitung, der Frohnauer Grundbesitzerverein und der Frohnauer Immobilienmakler Dirk Wohltorf zu einem Abend mit Zeitzeugen aus Berlin und Brandenburg eingeladen.

Peter Brinkmann im Jahr 2014 im ZDF bei Markus Lanz. Im Centre Bagatelle in Frohnau erzählte der Journalist, wie er den 9. November 1989 erlebte.
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Frohnau, ein Ortsteil von Reinickendorf, war während der Teilung Berlins von drei Seiten eingemauert gewesen. Ein Ort der besonderen Geschichten.

Günter Schabowski fuhr nach der Pressekonferenz nach Hause

Im Gespräch mit Jochen Arntz, dem Chefredakteur der Berliner Zeitung, erinnerte sich Brinkmann an den Abend, an dem er mit einer Frage an Schabowski Geschichte schrieb.

Brinkmann schilderte dem Frohnauer Publikum, wie er gleich danach aus dem Raum eilte, um von seinem Auto aus mit einem klobigen, damals aber futuristischen C-Netz-Funktelefon die Sensation in seine Redaktion der Bild-Zeitung in Hamburg durchzugeben. „Das klappte aber nicht gleich, denn es gab keinen Funkmast in Ost-Berlin.“

Bis heute amüsiert Brinkmann, dass Schabowski nach der Pressekonferenz einfach nach Hause gefahren ist. „Er hat sich eine Flasche Bier aufgemacht und vor den Fernseher gesetzt“, erzählte Brinkmann.

Als Schabowski dann gesehen habe, was an den Grenzübergängen los war, habe er seinen Fahrer zurückbeordert, um sich zur Bornholmer Straße chauffieren zu lassen. „Er wollte eigentlich unerkannt bleiben, aber die Leute haben ihm auf die Schulter geklopft und ihn gelobt.“ Was tat Schabowski daraufhin?

„Er ist wieder nach Hause gefahren“, sagte Brinkmann schmunzelnd. Er selbst ist in dieser Nacht noch per Taxi zur Bornholmer Straße, zum Checkpoint Charlie und zum Brandenburger Tor gefahren. Dort hat er die Säulen des Tores umarmt.