Die Bundeswehr benötigt besonders hochspezialisierte Experten unter ihren Soldatinnen und Soldaten.
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BerlinJetzt gibt es also ein neues Modell. Der „Freiwillige Wehrdienst im Heimatschutz“ soll die Truppe im Bedarfsfall beim Katastrophenschutz unterstützen. Außerdem erhofft sich die Bundesverteidigungsministerin, endlich mehr junge Menschen für eine Karriere bei der Bundeswehr zu begeistern.

Dass letzteres Aussicht auf Erfolg hat, ist zu bezweifeln. Seit Jahren werden Verteidigungspolitiker nicht müde zu betonen, wie sich die Bedrohungen verändert haben, denen Staaten ausgesetzt sind, wie essenziell Experten in der Truppe sind, gerade für eine funktionierende Abwehr von Cyber-Angriffen. Hochspezialisiert sei die Bundeswehr inzwischen, eine Armee von Profis. Nur sind es eben viel zu wenige.

Ein Jahr Freiwilligendienst, bei dem sechs Monate noch dazu stückweise als Reserve abgeleistet werden, ist denkbar ungeeignet, um die Bundeswehr auf dieser professionellen Ebene zu verstärken. Das wird auch Frau Kramp-Karrenbauer klar sein. Insofern ist der neue „Freiwillige Wehrdienst“ nur der Versuch, günstige Hilfskräfte zu rekrutieren und vorübergehend von der Diskussion über eine Rückkehr zur Wehrpflicht abzulenken.

Möglicherweise führt der Dienst sogar dazu, dass sich ein paar mehr Menschen für einen Job bei der Bundeswehr interessieren. Die eigentlichen Probleme der Truppe wie Materialmangel, undurchsichtige Befehlsstrukturen und eine träge Bürokratie wird er nicht lösen.

Überdies vermischt der sperrige Titel auf seltsame Weise gemeinnütziges Anliegen mit patriotischem Appell, die Parole „Dein Jahr für Deutschland“ suggeriert zudem, nur durch den Dienst an (oder zumindest in der Nähe) der Waffe könne ein wertvoller Beitrag zur Gemeinschaft geleistet werden.

Am Ende ist der neue freiwillige Wehrdienst nichts weiter als Symbolpolitik und eine teure Werbekampagne für die Bundeswehr mit Aussicht auf – bestenfalls – mäßigen Erfolg.