Berlin - Für die Grünen wird der Wahlkampf auch nicht leichter. Diesmal kommt der Ärger aus dem Südwesten der Republik. Die saarländischen Grünen haben bei der Aufstellung ihrer Landesliste für die Bundestagswahl nämlich einen ehernen Grundsatz missachtet: Das Frauenstatut. Es besagt, dass Frauen bei den Grünen auf den ungeraden Listenplätzen kandidieren – angefangen mit Platz 1.

Im Saarland aber ließen die Delegierten bei der Aufstellung ihrer Kandidaten die amtierende Landeschefin Tina Schöpf gleich dreimal durchfallen. Danach berieten sie und entschieden, den ehemaligen Landeschef Hubert Ulrich als Spitzenkandidaten aufzustellen. Der 62-jährige Stadtrat aus Saarlouis war schon einmal Landesvorsitzender und auch Spitzenkandidat seiner Partei, allerdings nicht sehr erfolgreich. 2017 flogen die Grünen aus dem Landtag und Ulrich gab seine Ämter ab.

Seinen Einfluss behielt er offenbar. Denn am vergangenen Sonntag gelang es ihm mühelos, die Mehrheit der Delegierten für seine Kandidatur zu mobilisieren. Und das, obwohl mit der Chefin der Grünen Jugend, Jeanne Dillschneider, durchaus eine Frau für Platz 1 zur Verfügung stand. Doch auch sie fiel durch. Dass Ulrich sich spontan als Retter in der Not zur Verfügung gestellt hat, schließt sie aus.

Auf ihrem Twitter-Account teilte Dillschneider einen Ausriss aus einem Interview mit der Bild-Zeitung. Darin erklärt Ulrich, dass ihm ein Landtagsmandat eigentlich mehr interessiert hätte. Er habe sich aber „nach vielen Gesprächen mit Entscheidungsträgern unserer Partei“ für den Bundestag entschieden. Sie stammten vermutlich hauptsächlich aus den Kreisen der Delegierten aus Saarlouis und Saarbrücken, die Ulrich sicher hinter sich wusste. Er selbst hält die Kritik an seiner Person für eine Kampagne, die gegen ihn geführt wird.

Wie es weitergeht, ist noch unklar. Vermutlich wird die Landesliste juristisch angefochten. Das aber birgt die Gefahr, dass die ganze Liste für ungültig erklärt wird. Aus dem Saarland, das bisher einen grünen Bundestagsabgeordneten hat, würde dann niemand in den Bundestag einziehen. Diese Aussicht wird den Wahlkampf im Saarland nicht leidenschaftlicher machen. Es läuft nicht gut für die Grünen.