BerlinLicht am Ende des Tunnels: Der US-Pharmakonzern Moderna will als erstes Unternehmen die Zulassung für einen Corona-Impfstoff in der EU beantragen. Das teilte das Unternehmen am Montag mit. Der Antrag solle noch am gleichen Tag bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur Ema gestellt werden. Parallel dazu soll eine Notfall-Zulassung bei der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA beantragt werden.

Geht mit der Zulassung alles glatt, könnte es im Dezember bereits die ersten Impfungen geben. Die EU hat mit der Firma einen Vertrag über bis zu 160 Millionen Impfstoffdosen abgeschlossen. Der Mainzer Hersteller Biontech und der US-Konzern Pfizer haben ebenfalls bereits in den USA eine Notfall-Zulassung beantragt, allerdings noch nicht in der EU. Die beiden Präparate sind in ihrer Wirksamkeit ähnlich.

Am Montag meldete das Robert-Koch-Institut 11.169 neue Corona-Fälle innerhalb eines Tages, am vergangenen Montag hatte die Zahl bei 10.864 gelegen. Im Corona-Kabinett, das ebenfalls am Montag tagte, hieß es, dass exponentielle Wachstum sei gestoppt, die Zahlen seien aber immer noch zu hoch. Laut Regierungssprecher Steffen Seibert bleibe es das Ziel der Bundesregierung, einen Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen zu erreichen. „Nur so können wir wirklich die Überlastung der Gesundheitsämter und Krankenhäuser verhindern.“

Das allerdings könnte noch eine Weile dauern. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) kündigte bereits an, dass die jetzt geltenden Beschränkungen auch in den ersten Monaten des neuen Jahres fortgesetzt werden könnten.

Die Physikerin Viola Priesemann formulierte es in der Talkshow „Anne Will“ am Sonntag deutlicher: „Der Lockdown hat nicht geklappt“, sagte sie, die Eindämmungsstrategie von Bund und Ländern sei gescheitert. In Deutschland wurden vor vier Wochen Restaurants, Bars und sämtliche Freizeitstätten geschlossen, um die Zahl der Kontakte zu reduzieren. Industriebetriebe, Geschäfte, Schulen und Kitas blieben aber geöffnet. Nun zeigt sich, dass dieser „Lockdown light“ nur sehr langsam Wirkung zeigt.

Auch Wirtschaftswissenschaftler sehen die Maßnahmen mittlerweile skeptisch. „Es sieht nicht danach aus, dass wir es mit den derzeit geltenden Maßnahmen schaffen werden, die Infektionszahlen bis Weihnachten deutlich zu senken“, sagte Andreas Peichl vom ifo-Institut für Wirtschaftsforschung der Berliner Zeitung. „Die allgemeinen Appelle, dass die Leute zuhause bleiben sollen, scheinen nicht so richtig zu funktionieren – das sieht man ja auch, wenn man in die Innenstädte schaut. Damit ist die Ansteckungsgefahr umso größer.“

Der Ökonom rechnet mit einem harten Lockdown im Januar. „Wenn an Weihnachten und Silvester die Menschen quer durch die Republik fahren, werden sich die Zahlen nochmal deutlich erhöhen. Deshalb werden im Januar strengere Maßnahmen folgen.“ Ein harter Lockdown auch über die Weihnachtstage würde die Zahlen sehr viel schneller stark sinken lassen, glaubt Peichl. „Aber die Frage wäre, ob sich die Menschen überhaupt daran halten würden.“

Ein schwächerer Lockdown wiederum könnte sich nach Peichls Ansicht noch bis ins Frühjahr hinziehen – bis Impfungen hoffentlich Wirkung zeigten. Aus wirtschaftlicher Perspektive sei das vertretbar: „Mit dem Lockdown light wird vor allem der soziale Konsum und der Tourismus eingeschränkt, alles andere läuft einigermaßen weiter. In der Industrie sehen wir wieder einen Aufwärtstrend.“ Am Ende sei es eine Frage der Abwägung: „Ein längerer Lockdown light schont im Zweifel die Industrie – die ja in Deutschland sehr wichtig ist.“ Handel, Verkehr und Gastgewerbe machten insgesamt 15 bis 16 Prozent des Bruttoinlandprodukts aus.

Am kommenden Mittwoch wollen Bund und Länder zwar erneut zusammenkommen. Allerdings sollen die Corona-Maßnahmen dabei nur eine Nebenrolle spielen. „Es wird nicht um neue Beschlüsse in der Sache gehen“, sagte Seibert.

Neben den Akut-Maßnahmen arbeitet die Bundesregierung daran, eine nationale Gesundheitsreserve anzulegen. An 19 bundesweit verteilten Standorten soll ein Vorrat aus Masken, Medikamenten und weiterer medizinischer Schutzausrüstung deponiert werden. Die Reserve soll im Notfall den Bedarf eines Monats decken können.

Ab jetzt fließen die Novemberhilfen für Selbständige und Betriebe, die aufgrund der Eindämmungsmaßnahmen Umsatzverluste erleiden. Seit Freitag sind einer Sprecherin des Bundesfinanzministeriums zufolge 54.000 Anträge eingegangen. Die bereits ausgezahlten Abschlagszahlungen belaufen sich auf 18 Millionen Euro. (mit cd.)

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