Jugendliche bei Sonnenschein im Berliner Mauerpark.
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BerlinDie Kids sind okay, aber die Erwachsenen müssen besser zuhören: Deutsche Teenager erleben sich als einflusslos und ungehört. Das zeigt die neueste Ausgabe der Sinus-Studie „Wie Jugendliche ticken“, die auf aufwendigen wissenschaftlichen Interviews basiert und alle vier Jahre den Puls der 14- bis 17-Jährigen fühlt. Ein wesentlicher Grund für das Unbehagen, das zeigt die Untersuchung, ist der Klimawandel. Für die „Fridays for Future“-Generation ist er, wenig überraschend, das wichtigste politische Thema dieser Zeit.

Politikverdrossen seien die Jungen nicht, erklärte Studienleiter Marc Calmbach vom Berliner Sinus-Institut – bei dem Wort „Politik“ kämen bei den Teenagern beispielsweise nur zur Hälfte negative Assoziationen auf, viel weniger als bei Erwachsenen. Dann aber seien in diesem Zusammenhang oft Ohnmachtsgefühle angeführt worden, so Calmbach: „Die Erfahrung, keinen Einfluss zu haben und nicht wirklich was bewegen zu können, haben die Jugendlichen besonders im Bereich Klima und Umwelt.“ Die Klimakrise sei von fast allen 72 Studienteilnehmern als wichtigstes politisches Thema benannt worden. Ein 15-jähriger Studienteilnehmer wird mit den Worten zitiert, er habe das Gefühl, es sei Politikern „scheißegal, ob da jetzt die Eisbären keinen Boden mehr unter den Füßen haben und um ihr Leben schwimmen“. Die Studie konstatiert: Für die Jugendlichen wird die Rettung des Planeten von Politik und Wirtschaft hintertrieben – auf ihre Kosten.

Deshalb, so Calmbach, setze sich auch ein Trend fort, den schon die vergangenen Ausgaben der Studie, die 2007 erstmals durchgeführt wurde, gezeigt haben: „Der Hedonismus ist weiter auf dem Rückzug.“ Das Klischee der spaßversessenen, sorglosen Jugend treffe immer weniger zu, der Zukunftsoptimismus sei gedämpft: „Die Jugendlichen sind ernsthafter geworden und besorgter.“ Das zeigt sich auch in den Werten, die sie unabhängig von Milieu verbindet: Deutschen Jugendlichen sind Familie, Freunde, Vertrauen, Ehrlichkeit, Treue und Hilfsbereitschaft besonders wichtig, sie verfolgen mehrheitlich bürgerliche Ziele und wollen in der Mitte der Gesellschaft ankommen.

Umgang der Jugendlichen mit Corona vernünftig und rücksichtsvoll

Ein Schwerpunkt, der kurzfristig noch in die Studie mit aufgenommen wurde, war der Umgang der Jugendlichen mit der Corona-Krise. Auch hier, so die Forscher, hätten sich die jugendlichen Studienteilnehmer vernünftig und rücksichtsvoll gezeigt. Auch mit Einschränkungen seien sie einverstanden – weniger aus Sorge um ihre eigene Gesundheit, als um die ihrer Mitmenschen und älteren Familienmitglieder. Der Direktor der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger sagte am Donnerstag: „Sie sind empathisch gegenüber der älteren Generation und akzeptieren auch das politische Management der Corona-Krise.“

Ihn habe auch beeindruckt, wie kompetent Jugendliche in Bezug auf das Coronavirus seriöse von unseriösen Informationen unterscheiden können. „Obwohl sie vorrangig in den sozialen Medien unterwegs sind, sind sie dort am skeptischsten. Sie messen eindeutig den öffentlich-rechtlichen Angeboten eine größere Bedeutung bei“, so Krüger. Damit seien die Jungen den Alten in Sachen Medienkompetenz um Längen voraus – und taugten zum Vorbild, findet Krüger: „Erwachsene können sich orientieren an der sehr besonnenen Art, wie Jugendliche mit Medien und Informationsangeboten umgehen.“