Eine Außenansicht des Bait-Tarkib-Kunstzentrums in der Abu-Nawas-Straße im Stadtteil Abu Nawas, wo die deutsche Kuratorin Hella Mewis am 20. Juli von bewaffneten Männern entführt wurde.
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BerlinSie gilt als das lachende Gesicht der kulturellen Wiederbelebung Bagdads. Die in Berlin geborene Kulturvermittlerin Hella Mewis kam 2010 zunächst über das Goethe-Institut in die irakische Hauptstadt. Wenig später kehrte sie auf eigene Initiative dorthin zurück und arbeitete fortan am Aufbau des Kulturzentrums Bait Tarkib, das sich insbesondere um die Förderung zeitgenössischer Kunst und die Arbeit junger Künstler kümmert.

Angaben irakischer Aktivisten zufolge ist Hella Mewis am Montag in Bagdad von Unbekannten verschleppt worden. Die irakische Regierung hat die Entführung am Dienstagmorgen bestätigt. Sicherheitskreise verlauteten, dass Mewis nach Verlassen ihres Büros im Zentrum der irakischen Hauptstadt entführt worden sei. Sie war demnach auf ihrem Fahrrad unterwegs, als sich ihr zwei Fahrzeuge näherten. Danach hätten Zeugen beobachtet, wie sie aus den Wagen heraus aufgegriffen worden sei. Polizisten hätten den Vorfall verfolgt, seien aber nicht eingeschritten.

Auswärtiges Amt beruft wegen Entführung in Bagdad Krisenstab ein

Wegen der Entführung hat das Auswärtige Amt nun einen Krisenstab einberufen. Das sagte Außenminister Heiko Maas am Dienstag in Athen. Er wollte sich „mit Blick auf das Wohlbefinden der Betroffenen“ nicht näher zu dem Fall äußern. „Aber (wir) haben im Auswärtigen Amt damit begonnen, uns um den Fall zu kümmern und eine Lösung zu finden, bei der die betroffene Person und ihr Wohlbefinden gesichert wird“, sagte Maas.

Arbeit als Kunstvermittlerin in Bagdad

Mit ihrer Arbeit als Kunstvermittlerin möchte Hella Mewis dem von Krieg und Zerstörung geprägten Leben in Bagdad etwas entgegensetzen. Es sei ein langer und harter Weg gewesen, heißt es in einer Reportage auf internationalepolitik.de: „Hella musste sich das Vertrauen der Menschen erarbeiten, Kontakte zu einflussreichen Familien knüpfen, die ihr Schutz gewährten, und Neider in Schach halten. Stück für Stück schuf sie sich Freiheit in Bagdad.“ In Europa, wird sie darin zitiert, sei die Kunstszene gesättigt. Im Irak könne sie noch etwas bewegen. Für ihr Projekt mietete Hella Mewes eine Villa, die sie gemeinsam mit ihren Künstlern renovierte, um sie als Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst zu eröffnen. „Ich möchte die Jugend dazu bewegen, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen.“

Kritik an irakischen Konventionen

Damit scheint sie sich nicht nur Freunde gemacht zu haben. Der in Berlin lebende irakische Schriftsteller Najem Wali hat Mewes vor einiger Zeit im Magazin Spiegel als eindrucksvolle Frau beschrieben, die entgegen irakischer Konventionen in Cafés gehe, ihr Haar offen trage und nur selten zum Kopftuch greife. An der Uferstraße am Tigris habe sie 2016 eine Frauenfahrrad-Demonstration organisiert. Mewis habe Kontakte in die Politik und sei gut vernetzt.

Politischer Analyst Hischam al-Haschimi vor zwei Wochen erschossen

Vor zwei Wochen hatten Unbekannte in Bagdad den international anerkannten politischen Analysten Hischam al-Haschimi in der Nähe seiner Wohnung erschossen. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. In den irakischen Medien richtete sich der Verdacht vor allem gegen die Iran-treue schiitische Miliz Kataib Hisbollah und die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Al-Haschimi galt als einer der besten Kenner extremistischer Gruppen im Irak. Er hatte sich häufig kritisch zu pro-iranischen Milizen im Land geäußert und war als Regierungsberater tätig gewesen. (mit dpa)