Berlin - Vielleicht hat Recep Tayyip Erdogan mal ins Netz geschaut. Hätte der türkische Präsident es getan, dann hätte er dort die Sätze lesen können: „Gerne hilft Ihnen Rechtsanwalt von Sprenger Ansprüche auf Unterlassung und Schadensersatz geltend zu machen und Ihren guten Ruf wiederherzustellen.“ Fest steht jedenfalls, dass Erdogan sich eben jenen Michael-Hubertus von Sprenger als Anwalt genommen hat. Und der Mann, der in Berlin und Bonn studierte und zeitweilig bei einer Großbank beschäftigt war, wird auch schon aktiv.

Von Sprenger betreut Klienten im Presserecht und Medienrecht mit Schwerpunkt Persönlichkeitsrechtsverletzungen. Dazu gesellen sich Fälle im Familienrecht und Erbrecht. Ein Unbekannter ist der Wahl-Münchner nicht. So vertrat er Jürgen Elsässer gegen die einstige Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth. Elsässer ist eine prominente Figur in der rechten Szene und Chefredakteur des einschlägigen Magazins „Compact“. Ditfurth nannte ihn einen „glühenden Antisemiten“. Elsässer gewann – unterstützt durch von Sprenger.

Letzterer hatte auch schon den britischen Holocaust-Leugner David Irving vertreten und ist Mitglied im Beirat der Deutsch-Arabischen Gesellschaft. Die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb im Kontext des Verfahrens gegen Irving gleichwohl, Sprenger sei ein „politisch unverdächtiger Strafverteidiger“, der seinem Mandanten geraten habe, alles zuzugeben.

„Wir werden abwarten, wie Herr Böhmermann reagiert“

Im aktuellen Fall ist der Anwalt am Dienstag erstmals öffentlich in Erscheinung getreten. Im ZDF sagte er, Erdogan hoffe auf „die Bestrafung des Betroffenen", sprich des ZDF-Satirikers Jan Böhmermann, der den auch sonst sehr empfindlichen türkischen Staatspräsidenten einen „Ziegenficker“ genannt hatte, woraufhin der ihn anzeigte. Auf die Frage, warum sich Erdogan überhaupt um Satirebeiträge im deutschen Fernsehen kümmere, entgegnete von Sprenger: „Die Frage können Sie mir als Juristen nicht stellen. Das ist eine höchstpersönliche Frage, die ich nicht beantworten kann."

Zu möglichen Schadenersatzansprüchen wollte sich Erdogans Rechtsbeistand ebenfalls nicht äußern. „Wir werden abwarten, wie Herr Böhmermann reagiert", erklärte er, betonte aber zugleich, „selbstverständlich" bis zum höchsten Gericht zu gehen: „Wenn ich das Mandat annehme, dann ziehe ich es auch durch." Die Strategie wird dabei schon erkennbar: locken und drohen.

Interessant war, wie der ältere Herr mit der sonoren Stimme, der Hornbrille und der akkurat gebundenen Krawatte auf die Fragen Claus Klebers reagierte: genüsslich einsilbig. Als Kleber wissen wollte, ob er – wegen Elsässer, Irving und Erdogan – eine „Neigung zu ungewöhnlichen Mandanten“ habe, erwiderte von Sprenger kühl: „Ich habe auch ganz gewöhnliche Mandanten, die ich aber nicht aufzählen kann.“ Das war’s.

Anders als Recep Tayyip Erdogan macht sich Michael-Hubertus von Sprenger um sein Image offenbar keinerlei Sorgen. Und ein Profi, das wird man sagen dürfen, ist er allemal.