Es gebe gute Gründe, warum er sich seinem ersten bilateralen Auslandbesuch im neuen Amt Deutschland ausgesucht habe, sagt der britische Außenminister Jeremy Hunt am Montag in Berlin. „Deutschland ist nicht nur einer unserer besten Freunde in Europa. Deutschland ist einer unserer besten Freunde in der Welt“, sagt Hunt, während er im Auswärtigen Amt neben dem deutschen Außenminister Heiko Maas (SPD) steht. Und Hunt fügt hinzu: Seit 1945 hätten Deutschland und Großbritannien „Schulter an Schulter“ gestanden, um eine auf Regeln basierte internationale Ordnung zu unterstützen.

Hunt findet deutlichere Worte als sein Vorgänger Johnson

Interessanter Weise erinnert Hunt mit der anfänglichen Charmeoffensive an den Antrittsbesuch seines Vorgängers in Berlin. Als Boris Johnson, bekannt als polternder Verfechter des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union, im Jahr 2016 zum damaligen deutschen Kollegen Frank-Walter Steinmeier reiste, sprach er sogar einige Dankesworte auf Deutsch, mit heftigem britischem Akzent. „Ich bin nicht ein Berliner“, sagte Johnson in Abwandlung des berühmten Zitats von John F. Kennedey. Aber seine Frau sei eine Berlinerin, da sie in dieser Stadt geboren sei.

Boris Johnsons Zeit als Außenminister Großbritanniens ist Geschichte. Er fand den Brexit-Kurs von Premierministerin Theresa May, also die Verhandlungsstrategie in Sachen Trennung von der EU, zu weich. In seinem Rücktrittsschreiben an May schimpfte er, der jetzige Plan der Regierung „läuft auf den Status einer Kolonie hinaus“.

Johnson ist also abgetreten. Aber die vielen praktischen Probleme mit dem Brexit bleiben – für May und auch für Hunt, der vom Gesundheits- ins Außenministerium gewechselt ist. Und, siehe da, nach den Freundlichkeiten zu Beginn des gemeinsamen Statements mit Maas im Außenministerium wird Hunt deutlicher als damals Johnson bei seinem Antrittsbesuch. Vermutlich hat Hunt anders als der Polterer Johnson nicht den Eindruck, er müsste erst beweisen, dass er Freundlichkeit überhaupt kann.

Hunt schiebt vorsorglich Schuld auf EU

Ohne dass die EU-Verhandler ihren Ansatz noch einmal wirklich hinterfragten, bestünde ein „echtes Risiko“, dass es am Ende – in der Art eines Unfalls, den eigentlich keiner wollte – zu einem Brexit ohne ein gemeinsames Abkommen komme. Das wäre zwar für die Briten eine extreme ökonomische Herausforderung, gibt Hunt zu. Aber am Ende würde man sie bewältigen. Er befürchte aber, dies werde die Einstellung der Briten zu Europa für eine ganze Generation verändern.

Und wie reagiert der deutsche Amtskollege Maas? Ist die Art, wie Hunt versucht hat, die Schuld für ein mögliches Scheitern der Brexit-Verhandlungen schon mal vorsorglich der EU zuzuweisen, wirklich die feine englische oder auch diplomatische Art? „Wissen Sie, ich habe während des Nato-Gipfels an bilateralen Gesprächen mit Herrn Trump und mit Herrn Erdogan teilgenommen. Die feine Art ist relativ.“ Er habe sich mit dem britischen Außenminister außerordentlich vertrauensvoll unterhalten. Dann schreiten die beiden noch zu einem gemeinsamen Händedruck für die Fotografen.

Es gibt ja auch noch genug anderes zu tun für den deutschen Außenminister. Die Europäische Union bröckelt ja nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. Am Nachmittag trifft Maas mit dem italienischen Außenminister Enzo Moavero Milanesi zusammen. Zu den Themen gehört natürlich die Migration, der Italiener sagt sogleich, diese Sache habe „historische Bedeutung“.

Maas nennt Haltung der Italiener „nachvollziehbar“

Jetzt ist es Maas, der es mit ein wenig Schmeichelei versucht. Er lobt, Italien sei nicht nur ein Architekt der Europäischen Union, sondern auch stets dabei gewesen, wenn es darum ging, das Projekt voranzubringen.

In Sachen Seenotrettungsmission „Sophia“ macht Milanesi noch einmal klar, in den kommenden fünf Wochen müsse eine Lösung zur Verteilung der Flüchtlinge zwischen den EU-Ländern gefunden werden. Übergangsweise könne die Mission aber weiterlaufen, Italien werde in dieser Zeit weiter Flüchtlinge von den Schiffen der EU-Marinemission aufnehmen. Maas nennt die Haltung der Italiener „nachvollziehbar“. Deutschland werde seiner Verantwortung nachkommen. Und dies auch von anderen einfordern.