Das Bundesinnenministerium hat für gut 2600 Menschenrechtler, Künstler, Wissenschaftler, Journalisten und andere potenziell gefährdete Menschen aus Afghanistan eine Aufenthaltszusage erteilt. Das bedeutet, dass diese Menschen sowie ihre Lebenspartner und Kinder einen Aufenthaltstitel für Deutschland erhalten, also kein Asyl beantragen müssen. Eine entsprechende Zusage sei am Dienstag für alle Menschen, deren Namen auf der „Menschenrechtsliste“ des Auswärtigen Amtes stehen, erteilt worden, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Einzige Voraussetzung sei, dass keine Sicherheitsbedenken bestünden.

Der größere Teil dieser Menschen befinde sich derzeit noch nicht in Deutschland, erklärte die Sprecherin des Auswärtigen Amtes, Maria Adebahr, am Mittwoch in Berlin. Das Krisenreaktionszentrum der Regierung arbeite daran, Deutschen, ehemaligen Ortskräften sowie den anderen Schutzbedürftigen bei der Ausreise aus Afghanistan und der Weiterreise nach Deutschland zu helfen - entweder auf dem Landweg über Nachbarstaaten oder mit zivilen Flügen, wie dies zuletzt etwa via Katar möglich gewesen sei.

Die Lage in Afghanistan scheint aktuell von angespannter Ruhe geprägt zu sein. Britische Medienberichte sind widersprüchlich: Die BBC berichtet von Streitigkeiten innerhalb der Taliban-Führung. Der Guardian dagegen hat einen Taliban-Führer interviewt, der sagt, der Westen solle zurückkommen – allerdings mit Geldzuwendungen und nicht mit Waffen. Die regierungsnahe türkische Zeitung Sabah berichtet, dass einzelne Taliban den Wunsch geäußert hätten, ein enges Verhältnis zu Ankara aufzubauen.

In der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass wiederum wird der russische Außenminister Sergej Lawrow mit der Aussage zitiert, Moskau halte weiter Kontakt mit den Taliban, um die Stabilität in der Region sicherzustellen. Lawrow sagte, zwar habe noch kein Land die Taliban als legitime Regierung anerkannt, es bestehe jedoch Konsens über die Notwendigkeit, mit dem Taliban im Gespräch zu bleiben. Die von Russland angeführte Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit rief die Weltgemeinschaft zur Hilfe für Afghanistan auf. (BLZ mit dpa)