Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister.
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BerlinBundesgesundheitsminister Jens Spahn will eine neue Corona-Teststrategie und fordert die Einrichtung sogenannter Fieberambulanzen. Mit seinem Vorstoß verschafft er der Debatte um den Corona-Herbst neuen Auftrieb. Das ist richtig und vor allem dringend notwendig. Rund um uns herum steigen die Infektionszahlen nahezu unkontrolliert. In Großbritannien mehren sich die Stimmen, die einen zweiten Lockdown fordern. Sieht es bei uns bald genauso aus? Angesichts kontinuierlich steigender Infektionszahlen auch in Deutschland sorgen sich die Menschen zu Recht.

Sie blicken mit einem mulmigen Gefühl in den Herbst. Sie fragen sich, wie glimpflich wir die kalte Jahreszeit wohl überstehen, und welchen Preis wir für ein beherrschbares Infektionsgeschehen werden zahlen müssen. Spahn greift diese Sorgen mit seinem Vorstoß auf. Er möchte Mut machen und suggerieren: Der Herbst kann kommen, denn wir werden vorbereitet sein! Doch daran darf gezweifelt werden.

Corona-Schnelltests sind sinnvoll

Natürlich ist es sinnvoll, Menschen mit Atemwegserkrankungen an „Fieberambulanzen“ zu verweisen, damit die Wartezimmer in den Arztpraxen nicht zu neuen Corona-Hotspots werden. Auch die Ankündigung, die bisher üblichen PCR-Tests um Antigenschnelltests zu ergänzen, ist richtig. Insbesondere Besucher in Pflegeheimen werden ihren Angehörigen mit einem negativen Testergebnis entspannter gegenübertreten können.

Aber die vorgeschlagene Teststrategie muss erst mit den Bundesländern abgestimmt werden. Ein Ergebnis wird Mitte Oktober erwartet. Zu spät, denn dann sind wir schon mitten im Herbst. Die Strategie müsste jetzt feststehen. Denn bereits am kommenden Wochenende werden die Temperaturen laut Wetterbericht je nach Region auf 10 Grad Celsius sinken. Die Politik wurde wohl vom Ende des Sommers überrascht.