US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus (14.3.2020).
Foto: AFP/Jim Watson

Washington/BerlinAmerika zuerst – dieses Motto seiner Präsidentschaft setzt der Präsident in der globalen Covid-19-Pandemie in die Praxis um. Nachdem er die Grenzen für Besucher aus Europa an diesem Wochenende komplett schloss, will er nach Informationen der Welt am Sonntag eine deutsche Firma mit hohen Geldsummen in die USA locken.

Alternativ versuche Trump, sich die Alleinrechte für einen möglichen Impfstoff der Tübinger Firma CureVac zu sichern. Das hat zu einem handfesten Streit mit der Bundesregierung geführt, die ein solches Vorgehen ethisch für nicht gerechtfertigt hält. Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte gegenüber der WamS, es sei in aktiven Gesprächen mit der Firma.

„Die Bundesregierung ist sehr daran interessiert, dass Impf- und Wirkstoffe gegen das neuartige Corona-Virus auch in Deutschland und in Europa entwickelt werden.“ CureVac arbeitet mit dem bundeseigenen Paul-Ehrlich-Institut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel an der Herstellung eines Impfstoffs gegen das Virus. Die Firma hofft, vielleicht schon im Juni einen experimentellen Impfstoff zu haben.

Exklusivvertrag mit den USA kommt nicht in Frage

Einen Exklusivvertrag etwa mit den USA für einen Corona-Impfstoff kommt hingegen für CureVac nach einem Bericht des Mannheimer Morgen nicht in Frage. „Wir wollen einen Impfstoff für die ganze Welt entwickeln und nicht für einzelne Staaten“, sagte der Geschäftsführer und Mitbegründer des Hauptinvestors dievini Hopp BioTech Holding, Christof Hettich, der Zeitung.

Während der Präsident die traditionellen Verbündeten der USA mit seinen Alleingängen irritiert und verärgert, gerät er daheim wegen der nicht koordinierten Reaktion seiner Regierung weiter unter Druck. Kritiker halten Trump vor, wertvolle Zeit bei der Vorbereitung auf die Pandemie verspielt zu haben. Noch immer sind vielerorts keine Tests für Patienten verfügbar, die Symptome zeigen.

Trump selber ließ sich am Wochenende auf das Virus testen, nachdem er in Mar-a-Lago mit mehreren Personen in Kontakt war, die positiv getestet worden waren. Nach Aussagen seines Arztes kamen die Ergebnisse negativ zurück.

Google relativierte die Ankündigung Trumps bei einer Pressekonferenz vom Freitag, wonach das Unternehmen in Kürze eine Webseite freischalte, auf der Amerikaner herausfinden könnten, ob sie Symptome haben und wo sie getestet werden könnten. „Wir sind in der frühen Entwicklungsphase“, hieß es bei Google, das an einem Pilotprojekt für den Großraum San Francisco arbeitet.

Das war nicht die einzige Ankündigung des Präsidenten, die sich als übertrieben oder unzutreffend herausstellte. Vertreter der großen Drogeriemärkte erklärten, es sei bisher nicht klar, wie die versprochenen „Drive-Thru“-Teststellen eingerichtet werden können.

Klare Kommunikationsstrategie fehlt

Wie die Washington Post berichtet herrscht im Weißen Haus ein Zuständigkeitschaos. Während Vizepräsident Mike Pence eine Arbeitsgruppe koordiniert, versucht Trumps Schwiegersohn im Westflügel des Weißen Hauses die Fäden zu ziehen. Es fehle auch eine klare Kommunikationsstrategie.

Trump hatte am Freitag den Nationalen Notstand ausgerufen und damit Bundesmittel freigemacht. Gleichzeitig verhandelte sein Finanzminister Steven Mnuchin mit Speakerin Nancy Pelosi über ein Hilfepaket, das unter anderen Hilfen für Familien und Firmen vorsieht.

Ohne bundesweite Koordination beschreiten die Bundesstaaten unterschiedliche Wege. Der Gouverneur des stark betroffenen Bundesstaats New York, Andrew Cuomo, forderte Trump auf, die Streitkräfte einzusetzen, zusätzliche medizinische Kapazitäten zu schaffen. Das National Institute of Health, das eine herausgehobene Rolle in der Corona-Krise spielt, meldete einen ersten Erkrankungsfall. Trump tut so, als habe die halbherzige Reaktion der Regierung nichts mit ihm zu tun. Auf die Frage, ob er Verantwortung für das Fehlen ausreichender Testkapazitäten habe, sagte er: „Nein, ich übernehme dafür nicht im Geringsten die Verantwortung.“ (mit dpa)