Berlin - Das Vorgehen war ebenso logisch wie zynisch: Mit der Weigerung, mehr Menschen in Deutschland aufzunehmen, die nach dem Großbrand im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos seit Monaten in provisorischen Unterkünften hausen, wollte die Bundesregierung eine europäische Lösung gewissermaßen erzwingen. Das Leid der tausenden Geflüchteten, die kurz davor stehen, einen weiteren Winter in Zelten zu verbringen, ohne ausreichende Heiz- und Waschmöglichkeiten, ohne ausreichende medizinische Versorgung und vor allem ohne Hoffnung sollte die EU-Länder, die sich bisher gegen eine gerechte Verteilung der geflüchteten Menschen auf die Mitgliedsstaaten weigerten, zum Umdenken und Einsehen bewegen.

Fast vier Monate nach der Zerstörung von Moria, das Bundesentwicklungsminister Gerd Müller mehrfach als Schande für Europa bezeichnet hatte, und angesichts neuer überfüllter Lager voller verzweifelter Menschen muss auch der Letzte verstanden haben, dass diese Strategie gescheitert ist. Die europäische Lösung ist nicht in Sicht. Allerdings auch keine andere.

Es ist richtig, eine der größten humanitären Krisen des Jahrhunderts gesamteuropäisch bekämpfen zu wollen. Doch was gerade passiert, ist politisches Taktieren auf dem Rücken der Schwächsten, auf dem Rücken von Menschen, die aus der Hölle geflohen sind, nur um nun in einer neuen Hölle zu landen.

Nur rund 1500 von ihnen wurden bisher nach Deutschland gebracht, obwohl mehr als 200 Kommunen längst ihre Bereitschaft zur Aufnahme weiterer Menschen erklärt haben.

Dass Deutschland so viele Geflüchtete wie möglich im Alleingang aufnimmt, ist nicht die ideale Lösung. Aber es ist eine. Und es ist das mindeste, was die Menschlichkeit gebietet. Denn Kara Tepe und die anderen provisorischen Lager auf den griechischen Inseln sind längst zu einem neuen Moria geworden und zur immer noch anhaltenden Schande Europas.