BerlinFranziska Giffey hat in ihrer Doktorarbeit an vielen Stellen getäuscht und von anderen Autoren abgeschrieben, ohne dies kenntlich zu machen. Trotzdem durfte sie ihren Doktortitel behalten. Das haben viele nicht verstanden. Seit Freitag muss man auch den Präsidenten der Freien Universität dazu zählen. Die Universitätsleitung hat mitgeteilt, dass sie die Rüge, die ihr die FU erteilt hatte, aufhebt und nun noch einmal das ganze Verfahren aufrollen will.

Es ist eine gute Entscheidung. Dass sie dennoch überrascht, wirft ein grelles Schlaglicht auf die Universität selbst. Denn das Verfahren, das nach den Plagiatsvorwürfen gegen Giffey geführt worden war, ist mindestens so fragwürdig gewesen wie die Dissertation der Politikerin. Vor ziemlich genau einem Jahr hatte das Präsidium der FU, das jetzt die Rücknahme erklärte, Giffey eben diese Rüge erteilt, obwohl so etwas in Berlin gar nicht vorgesehen ist. Das Gutachten dazu blieb so lange unter Verschluss bis der Asta die Herausgabe rechtlich erzwang.

Dann gab es mehrere Gutachten, die sich mit der Frage befassten, ob die Rüge als Instrument zulässig ist. Die Sache ging mal so und mal so aus. Bei der Entscheidung der FU überwog jetzt offenbar die Annahme, dass es sich hier nicht um den minderschweren Fall handelt, von dem bisher immer die Rede war. Man kann wohl sagen, dass dieses Mal die Gewissheit sehr viel größer ist, dass der Titel endgültig aberkannt wird.

Für die bisherige SPD-Hoffnungsträgerin Giffey ist das eine Katastrophe. Sie hatte erklärt, sie würde von ihrem Ministeramt zurücktreten, wenn ihr der Titel aberkannt werden würde. Weil das Verfahren andauerte, kandidierte sie nicht für den Bundesvorsitz der SPD. Bleibt Giffey ihren eigenen Ansprüchen treu, muss sich jetzt die Berliner SPD eine neue Kandidatin für den Landesvorsitz suchen. Und fürs Rote Rathaus ebenso.