Berlin - Viele Menschen haben ein politisches Anliegen, wollen etwas verändern. Und fragen sich: Wie schaffe ich es, Aufmerksamkeit zu bekommen? Man kann ihnen nur raten, von der „Letzten Generation“ zu lernen. Der Gruppe, die Autobahnen blockiert, um gegen die Verschwendung von Lebensmitteln zu protestieren. Sie ist klein, hat es aber innerhalb kürzester Zeit geschafft, dass sich Medien, diese Zeitung inbegriffen, und Politik mit ihr befassen. Die Umweltministerin und der Justizminister haben die Aktionen kommentiert. Das Abgeordnetenhaus in Berlin hat sie am Donnerstag lange diskutiert.

Die Aktivisten sind Meister der Aufmerksamkeitsökonomie. Sie haben sich Autobahnen ausgesucht, weil man dort sehr viele Menschen nerven kann. Das ist maximal rücksichtlos, aber die Wut liefert tolle Bilder. Noch besser wird es, wenn Politiker sich aufregen, wie die AfD in Berlin sogar Parlamentsdebatten fordern. Andere Politiker verteidigen dann das Anliegen der Aktivisten. Wer das ganze Spiel infrage stellt, bekommt zu hören, dass es sich um das wichtigste Anliegen der Welt handelt, die Menschheit untergeht, wenn das Problem nicht gelöst wird.

Die Pflegerinnen und Pfleger, die in Berlin monatelang für bessere Arbeitsbedingungen demonstrierten, haben das nicht behauptet. Warum eigentlich nicht? Einen Versuch wäre es wert. In Diskussionen muss man immer wieder sagen, dass es kein wichtigeres Thema als das eigene gibt und Kompromisse ausschließen.

Carla Hinrichs, Sprecherin der „Letzten Generation“, machte es am Mittwoch in der „Abendschau“ vor. Sie redete Danny Freymark von der CDU an die Wand, der ihr mit politischen Lösungen kommen wollte. Hinrichs ist 24,  Jurastudentin, sie sieht gut aus, auch das zählt in diesem Spiel, ob man das will oder nicht. Am Donnerstag twitterte sie ein Selfie von sich, kurz vor der Debatte im Abgeordnetenhaus, aus dem „Gefangenentransporter“. Sie trug eine Maske mit Logo ihrer Gruppe. Besser geht es nicht.