BerlinDie Pandemie macht der CDU mal wieder einen Strich durch ihre Pläne, eine neue Parteiführung zu wählen. Der Parteitag Anfang Dezember in Stuttgart wurde am Montag endgültig abgesagt. Angekündigt hatte sich das schon länger. 1001 Delegierte aus ganz Deutschland nach Stuttgart reisen zu lassen, während die Infizierten-Zahlen steigen, das wäre ebenso dumm wie unverfroren gewesen – zumal nicht nur die Kanzlerin derzeit jeden darauf einschwört, bitte zu Hause zu bleiben.

Überraschend ist jedoch, dass die Partei offenbar keine Alternative zum Stuttgarter Präsenzparteitag hat. Dabei war doch schon seit längerem klar, dass die zweite Welle der Pandemie anrollt, auch wenn man sie sich vielleicht nicht so schlimm vorgestellt haben mag. Aber wer glaubt, angesichts der Zahlen, dass es Anfang des Jahres besser aussieht? Wenn die CDU ihren neuen Vorsitzenden wirklich ganz klassisch mit Delegierten vor Ort wählen möchte, muss sie mindestens bis Frühjahr warten.

Es spricht einiges dafür, dass genau das das Kalkül ist. Vorher sollte ja auch die Kanzlerfrage nicht geklärt werden. Nun könnte man alles auf einmal erledigen. Die Idee hat Charme. Jedenfalls, wenn man Armin Laschet heißt und in den innerparteilichen Umfragen hinter den Erwartungen zurückbleibt. Da kann sich jede Woche Wartezeit nur positiv auswirken.

Diese Überlegung könnte sich allerdings auch als fehlerhaft erweisen. Die CDU-Mitglieder beobachten die drei Kandidaten nun schon seit einem Dreivierteljahr und man hat jetzt nicht unbedingt den Eindruck, dass sie ihnen dabei besonders an Herz gewachsen sind. Das prognostizierte Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Laschet und Merz zeigt ja nichts anderes, als dass sich kein echter Favorit herausbildet. Vielleicht taucht im neuen Jahr ein ganz anderer auf? Jens Spahn dürfte dann zumindest wieder absolut fit sein.