Deval Patrick in Des Moines
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IowaWeniger als 80 Tage vor den ersten Vorwahlen ist ein neuer Kandidat der Demokraten ins Rennen um die US-Präsidentschaft eingestiegen: Deval Patrick, ehemaliger Gouverneur von Massachusetts, überraschte in der vergangenen Woche mit seiner Bewerbung. Und es wird damit gerechnet, dass in dieser Woche auch noch der New Yorker Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg nachzieht.

Mit Patrick stellen sich derzeit 18 Bewerber zur Kür – zu viele, finden die meisten Wähler. "Sie sollen mal stillhalten. Wir haben genug Demokraten im Rennen", sagt die 63-jährige Debra Tyus aus Walterboro in South Carolina. Es sei wirklich schon sehr, sehr spät für eine Kandidatur, bemängelt Thea Lahti aus New Hampshire. Die 75-Jährige fürchtet, dass sich das Feld so noch weiter aufsplittert.

Die demokratischen Anwärter für die Präsidentschaftskandidatur der Partei reichen von Jung bis Alt, bieten ganz unterschiedliche Programme und Erfahrungen und haben verschiedene ethnische Hintergründe. Sie habe noch mit keinem einzigen demokratischen Wähler gesprochen, der das aktuelle Angebot an Bewerbern als nicht ausreichend kritisiert habe, sagt die Abgeordnete Jennifer Konfrst in Iowa. "Vielmehr lautet der Kehrreim eher, dass wir schon zu viele großartige Kandidaten haben." Sie könne sich gar nicht vorstellen, was weitere Bewerber noch einbringen könnten, erklärt Konfrst.

Die Riege der knapp 20 Frauen und Männer passt nicht einmal in eine Debattenrunde, die nach Ansicht der Partei noch den Namen verdient. So war die Anzahl der Teilnehmer bei einer Diskussion im vergangenen Monat auf zwölf begrenzt, in dieser Woche teilen sich zehn die Bühne.

Enttäuschung über bisherigen Wahlkampf von Biden

Und dennoch gibt es Stimmen aus dem Establishment oder aus den Reihen der Sponsoren, die weitere Kandidaten begrüßen – und sich vielleicht sogar noch mehr wünschen. Dies geht einher mit Enttäuschung über den bisherigen Wahlkampf des ehemaligen Vizepräsidenten Joe Biden. Zu glanzlos, heißt es. Zugleich wird Sorge laut, dass die führenden progressiven Bewerber Elizabeth Warren und Bernie Sanders zu liberal seien.

Hinter all dem steckt der Druck, die unschlagbare Alternative zu Präsident Donald Trump finden zu müssen, um dessen zweite Amtszeit zu verhindern. Unter den demokratischen Anwärtern und Anwärterinnen findet sich praktisch niemand, bei dem oder der keine Zweifel an der Eignung laut werden.

Cocktail-Parties seien in letzter Zeit zu Therapiesitzungen für nervöse Demokraten geworden, meint der New Yorker Sponsor Robert Zimmerman. "Wir brauchen mehr Demokraten im Feld", sagt er, auch wenn sich die meisten Wähler mit der derzeitigen Aufstellung zufrieden zeigten.

Patrick fühlt sich von Obama ermutigt

Der frühere demokratische Amtsinhaber Barack Obama versucht derweil die Sponsoren seiner Partei zu beruhigen, indem er an die turbulente Zeit vor seiner Wahl und das Tauziehen gegen Hillary Clinton erinnert. Zugleich aber warnt er auch, dass "der durchschnittliche Amerikaner nicht denkt, dass wir das System komplett niederreißen und erneuern müssen".

Patrick fühlte sich von seinem Freund Obama offenbar ermutigt. Bevor er seinen Hut in den Ring warf, sprach er vertraulich mit dem ehemaligen Präsidenten. Der habe ihn an seinen Erfahrungen teilhaben lassen, verriet Patrick, und habe ihm eine Einschätzung von Stärken und Schwächen des Wahlkampfes gegeben.Eine große Verunsicherung in der Wählerschaft und das Fehlen eines absoluten Spitzenkandidaten öffne die Tür für weitere und neue Bewerber, erklärt Patricks Wahlkampfmanager Abe Rakov.

Wenn die Wähler inzwischen noch immer keine Entscheidung getroffen hätten, dann gebe es eben "eine Chance für jemanden mit einer anderen Geschichte und einem anderen Hintergrund", sagt Rakov. "Wenn offenkundig wäre, dass es hier um ein Zwei-Personen-Rennen gehen würde, dann wäre es wohl zu spät, wenn sich noch jemand dazugesellen würde. Aber das ist es nicht. Es ist ein völlig offenes Rennen."

Bloombergs Berater Howard Wolfson ist derselben Ansicht. "Wir glauben nicht, dass das derzeitige Feld besonders gut aufgestellt ist, um es im November mit Donald Trump aufzunehmen", sagt er. Und fügt mit Blick auf seinen Chef hinzu: "Und wir glauben, dass Mike der beste Kandidat dafür wäre."

Schon jetzt sei der Wahlkampf verwirrend angesichts der schieren Zahl der Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur, sagt die Wählerin Carol Maraldo in New Hampshire. Neueinsteiger würden für noch mehr Verwirrung sorgen, warnt sie. Doch wenn die perfekte Person auftauchen würde, lenkt Maraldo ein, dann wäre das eine andere Sache. Dann hätte die auch ihre Stimme.