Bürger wünschen einheitliche Bildungspläne.
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Der Föderalismus hat schon bessere Zeiten erlebt. Nicht nur in Corona-Zeiten wollen die Menschen nicht unter länderspezifischem Missmanagement leiden. Erst recht nicht in Bildungsbelangen. Sie fordern mehr Einheitlichkeit im Lehrplan, in den Abschlüssen und wichtigen Entscheidungen. Jeder, der mit Kindern schon mal umgezogen ist, weiß, welche Hürden er ihnen zumutet. Ein Umzug vor dem Schulabschluss führt in die bildungsbiografische Todeszone. Zumal der Abschluss je nach Region unterschiedlich gewertet wird. Damit muss Schluss sein.

Dass der Nationale Bildungsrat im vergangenen Jahr nicht zustande gekommen ist, verdeutlicht, wie sehr die realisierte Politik vom Bürgerwillen abweicht. Klar will sich ein Bayer nicht das Bremer Abitur überstülpen lassen. Doch es ist nicht nur die Angst vor Niveauverlust, die hinter dem Unwillen zur Bildungseinheit steckt: Die Bildungspolitik ist Kernkompetenz der Länder. Damit werden regelmäßig Landtagswahlen gewonnen – oder eben verloren. 

Das unkoordinierte Homeschooling – Schule auf, Schule zu – hat sicherlich zum Wunsch nach Zentralismus beigetragen. Ein erster kleinster gemeinsame Nenner wären einheitliche Abschlussprüfungen. Wie die Schüler den Wissensstand erreichen, könnte den Ländern überlassen bleiben. Denn was in der Bevölkerung stark mehrheitsfähig ist, muss in einer repräsentativen Demokratie auch politisch umgesetzt werden.

Andererseits sollten die Bürger das Gute des Flickenteppichs nicht verkennen: Jedes Land ist ein Experimentierkasten. Es kann schnellen Schrittes vorangehen, wo auf nationaler Ebene Blockaden drohten. Andere Länder können sich daran orientieren oder froh sein, nicht teilhaben zu müssen. Dank föderaler Strukturen konnten beispielsweise viele Kinder vor der mancherorts grassierenden Schreiben-nach-Gehör-Methode bewahrt werden.