Berlin - Die Deutschen verlieren zunehmend das Vertrauen in die kapitalgedeckte Altersvorsorge, wie etwa Riester. Zu diesem Schluss kommt der aktuelle Alterssicherungsbericht der Bundesregierung. Schuld ist laut Autoren die bereits seit mehreren Jahren andauernde Niedrigzinsphase, die „zu einer zunehmenden Skepsis gegenüber kapitalgedeckten Altersvorsorgesystemen“ geführt hat. 

Für die Regierung ist diese Entwicklung ein Problem, baut doch das Deutsche Rentensystem auf die Bereitschaft der Arbeitnehmer, privat vorzusorgen. Denn die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) allein reicht in der Regel nicht aus, um den eigenen Lebensstandard im Alter zu sichern.

Die Riester-Rente verliert weiter an Akzeptanz

Seit 2017 sinkt die Zahl der Riesterverträge kontinuierlich auf aktuell 16,4 Millionen. Der Anteil der Verträge, für die aktuell keine Beiträge gezahlt werden, wird auf rund 20 Prozent geschätzt.

„Mich beunruhigt nicht, dass immer weniger Versicherte riestern, denn dies zeigt, dass die vielen Studien, Kritiken und Skandale rund um die Riesterrente, über die Verbraucherschutzorganisationen und die Medien seit Jahren berichten, verstanden werden“, sagte Matthias W. Birkwald, rentenpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, der Berliner Zeitung.

Die Linke fordert daher eine Stärkung der gesetzlichen Rente statt Riester. Freiwillige Beitragszahlungen in die gesetzliche Rente sollten erleichtert werden. Schon heute ist es möglich, zusätzliche Beiträge in die GRV einzuzahlen, um früher abschlagsfrei in Rente gehen zu können. Wer dennoch länger arbeitet, profitiert von einer höheren Rente. Der Haken: Diese Möglichkeit haben nur Menschen, die mindestens 50 Jahre alt sind.

Die Erträge aus kapitalgedeckter Altersvorsorge reichen in der Regel nicht aus, um Verluste bei der gesetzlichen Rente auszugleichen.

Ralf Kapschack, rentenpolitischer Sprecher der SPD im Bundestag

In der SPD werde ebenfalls über eine freiwillige Höherversicherung in der gesetzlichen Rente diskutiert, sagte Ralf Kapschack, rentenpolitischer Sprecher der SPD im Bundestag, der Berliner Zeitung. Gegenüber Riester zeigt sich Kapschack kritisch, sie sei „jedenfalls kein Erfolgsmodell.“

„Zudem reichen Erträge aus kapitalgedeckter Altersvorsorge in der Regel nicht aus, um Verluste bei der gesetzlichen Rente auszugleichen.“ Eine Stärkung der gesetzlichen Rente sei daher unabdingbar. Ohnehin sei es vielen Menschen, vor allem Geringverdienern, aus finanziellen Gründen gar nicht möglich, privat vorzusorgen.

Dennoch hat die SPD im Koalitionsvertrag mit der CDU eine Riester-Reform verabredet. Dafür soll ein Standard-Vorsorge-Produkt entwickelt werden. Die Zuständigkeit hierfür liegt beim Bundesfinanzministerium. „Wann mit Ergebnissen, mit Vorschlägen zu rechnen ist, ist nicht zuletzt wegen der Belastungen des Ministeriums durch die Corona-Krise nicht absehbar“, sagte Kapschack.

Die Union fordert eine Riester-Reform zum Jahresbeginn 2021

„Wir als Union wollen das möglichst bald zum Jahresbeginn 2021 umsetzen“, sagte Peter Weiß, rentenpolitischer Sprecher der CDU/CSU im Bundestag, der Berliner Zeitung. „Statt Riester-Rente eine neue Zulagen-Rente, mit einem einfachen Verfahren, weniger Bürokratie und damit mehr Ertrag.“ Die Vorschläge der Fraktion liegen dem Finanzministerium seit Juli vor.

Neben einer Umbenennung der Riester- in Zulagen-Rente fordert sie unter anderem, den Kreis der Förderberechtigten auf alle unbeschränkt Steuerpflichtigen auszudehnen. Die Zulagen sollen künftig nicht mehr beantragt werden müssen. „Stattdessen teilen die Anbieter der Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) die Höhe der eingegangenen Beiträge mit. ZfA und Finanzämter prüfen im Anschluss die Förderhöhe“, heißt es in dem Papier.

Ein Viertel der Riester-Beiträge wird von den Kosten aufgezehrt

Die Kosten für das Standardprodukt will die CDU/CSU-Fraktion auf ein Prozent der Effektivkosten begrenzen. Dieser Wert gibt an, um wie viel Prozent die Kosten eines Vertrags die Rendite sinken lassen. Wer also mit seiner privaten Altersvorsorge eine jährliche Rendite von drei Prozent erwirtschaftet, käme nach Abzug der laut CDU-Vorschlag maximal möglichen Kosten noch auf ein Plus von zwei Prozent.

Tatsächlich ist Riester aus Sicht von Kritikern zu teuer. So hat der Verbraucherzentrale Bundesverband berechnet, dass die Effektivkosten für Riester-Verträge mit 30-jähriger Laufzeit 2018 im Durchschnitt bei 1,51 Prozent lagen. Die Bürgerbewegung Finanzwende veröffentlichte vor kurzem Zahlen, wonach im Schnitt knapp ein Viertel der von Versicherten gezahlten Riester-Beiträge von den Kosten der Versicherungen aufgezehrt werden.

Um die Rendite zu erhöhen, plant die Fraktion, eine stärkere Anlage in Aktien zu ermöglichen. Hierzu soll von der 100-prozentigen Beitragsgarantie abgewichen werden können. Sparern wird derzeit garantiert, mindestens die eingezahlten Beiträge wieder ausgezahlt zu bekommen. Das ermöglicht jedoch nur eine Anlage in sehr sichere Investments mit überschaubarer Verzinsung.