Die Wahlen in Russland können als Trendsetter gesehen werden: Retro ist die neue politische Mode. Die Gewinner der Wahl sind die Kommunisten. Deren Abgesang singt der Westen seit 30 Jahren. China dagegen gratulierte dem russischen Volk zur Wahl – kein Wunder: In Peking sieht man das Ende des Kapitalismus kommen und hofft auf ein straffes kommunistisches Gesellschaftssystem als Alternative zum dekadenten Westen. Dass die Kommunisten nicht zum Sieger der Wahl wurden, verdankt die absolut regierende Putin-Partei Geeintes Russland einer überraschenden Entwicklung: Die digitale Revolution frisst ihre Kinder und stärkt die Mächtigen. Facebook, Apple und Telegram beugten sich dem Willen der Machthaber und zensierten die Opposition.

In dieser Hinsicht sollte sich der Westen vor moralischer Überheblichkeit hüten: In den USA wurde der amtierende Präsident Donald Trump gesperrt, nachdem absehbar war, dass sein Stern verglüht. In Deutschland löschen und zensieren YouTube und Facebook unter dem Schirm des sogenannten Netzwerkdurchsetzungsgesetzes ohne Hemmungen – vor allem allerdings, wenn es um „Fake News“ von unten geht. Fake News der Regierungen dagegen gelten als Maßstab der Berichterstattung – und genau das machen die autoritären Regime auch. In China sind die Behörden jetzt sogar so weit gegangen, dass mittels App kontrolliert wird, wer ausländische Medien liest. So verblasst weltweit die Hoffnung auf eine dynamische, innovative Neugestaltung der politischen Landschaften im digitalen Zeitalter. Die Hoffnungsträger sind in Russland die Kommunisten, die das Erbe der UdSSR hochhalten. Das ist Dialektik: Der technische Fortschritt beschleunigt die Flucht in die Ideale von gestern.