BerlinAm Dienstag zeigte sich vor dem Berliner Kammergericht wieder einmal, wie schwierig es sich mit den Aussagen von Zeugen verhält. Im Prozess um den Mord im Kleinen Tiergarten, der sich im Sommer 2019 ereignete und der die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland belastet, vernimmt das Gericht derzeit unmittelbare Zeugen der Tat.

Angehört wurde eine 27-jährige Frau, die damals Kellnerin in einem Restaurant war. Am Mittag des 23. August ereignete sich vor ihren Augen ein Mord, in dem belebten Park wurde ein Tschetschene mit georgischem Pass erschossen. Der Mörder hatte sich ihm laut Bundesanwaltschaft von hinten auf einem Fahrrad genähert und aus einer Pistole mit Schalldämpfer auf dessen Oberkörper geschossen. Der Täter kam mit dem Fahrrad zu Fall oder legte es hin. Er stand auf und schoss zwei Mal auf den Kopf des Opfers. Mit dem Rad flüchtete er. Wenig später wurde der Russe Vadim S. festgenommen.

Die Bundesanwaltschaft ist überzeugt, dass der 55-Jährige im Auftrag russischer Stellen handelte, weil die russische Regierung den Georgier als Staatsfeind sah. Dieser hatte im Tschetschenien-Krieg gegen Russland gekämpft.

Als der Mord geschah, nahm die Kellnerin im Garten des Restaurants gerade eine Bestellung auf. Während die Gäste noch überlegten, schaute die junge Frau in der Gegend umher. Sie sah jemanden auf einem Fahrrad. Dann das liegende Rad. Sie hörte ein Geräusch. „Ich dachte erst, das wäre ein Fahrradunfall, und dass er den Herrn angefahren hat“, sagt die Zeugin vor Gericht. „Dann lag der Herr auf dem Boden.“ Der Täter sei langsam hingegangen. „Er hat es so gemacht, als wenn es was ganz normales wäre. Das war so gruselig. Er stand sehr nah bei ihm und zielte auf den Kopf. Er wollte sichergehen, dass der Mann tot ist.“ Dann hörte sie noch einmal „dieses Geräusch“, den gedämpften Schuss. „Dann ist er ganz normal auf sein Fahrrad und dann weggefahren.“  Alle seien schreiend ins Lokal gedrängt oder weggelaufen.

Wie viele Schüsse gefallen sind, will der Vorsitzende Richter wissen.

Sie weiß es nicht. Aber einer sei auf jeden Fall gefallen.

„In welche Richtung flüchtete der Täter genau?“ 

„Ich muss mich wirklich zusammenreißen, denn ich habe so viele Sachen von anderen gehört“, sagt die Zeugin.

„Wie sah der Täter aus? In der Vernehmung durch die Polizei sagten Sie, der Täter hätte dunkle Klamotten an und einen etwas helleren Rucksack.“

„Er hatte längere Haare und vorn, glaube ich. Lockig.“

Die Kellnerin war damals die zweite Anruferin beim Polizeinotruf. Am Telefon sagte sie, dass der Täter lange Haare, einen Bart und einen Kapuzenpulli trage. Sie berichtete von dem Schuss und der Pistole mit dem Dämpfer. Heute weiß sie nicht mehr, ob sie das gesehen hat oder ob sie aus dem Geräusch daraus schloss, dass die Waffe einen Dämpfer hatte.

„Können Sie sich noch von dem Opfer ein Bild machen?“

„Ich habe von allem ein Bild, aber ich weiß nicht, ob es richtig ist.“