In der Frühphase der Europäischen Union war immer wieder die Rede von einem Europa der „zwei Geschwindigkeiten“ gewesen. Es ging um die Möglichkeit, Staaten mit unterschiedlichem wirtschaftlichen Entwicklungsstand zu integrieren. Heute scheint das Problem das der politischen Integration zu sein. Ein unsichtbarer Vorhang von sehr divergierenden Wertvorstellungen zieht sich quer durch den Kontinent. Die Trennlinie läuft ziemlich exakt auf Höhe des alten „Eisernen Vorhangs“. Im Visier des Westens vor allem Ungarn, Polen und seit neustem auch Slowenien. Andere Staaten wie Bulgarien laufen etwas unter dem Radar – weil sie es frühzeitig verstanden haben, keine allzu lauten Anti-EU-Sprüche zu klopfen.

In Bulgarien führt seit einiger Zeit eine Technokraten-Regierung die politischen Geschäfte. Die Wahl am Sonntag hat die Zersplitterung der Parteienlandschaft weiter vertieft. Es ist völlig offen, wann das Land wieder zu demokratischer Normalität findet. Angesichts der grassierenden Korruption im Land finden es viele Bürgerinnen und Bürger gar nicht schlecht, dass die klassischen Politiker entmachtet wurden. Der gestürzte Premier, Bojko Borissow, ein ehemaliger Karate-Trainer, beherrschte die Kunst der politischen Selbstverteidigung nicht in ausreichendem Maß: Zwar trat das Land unter seiner Führung dem EU-Rechtsstaatsmechanismus bei. Die US-Regierung verhängte dennoch Sanktionen gegen mehrere bulgarische Unternehmen – wegen des Verdachts der Korruption. Borissow schaffte es nicht, sich schnell genug mit einem Netz von Vertrauten abzusichern und verlor seinen Job.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.