"Nun ist es aber mal gut“, platzt Claudia Backhaus mitten rein in einen langen Satz, den ihr Mann gerade spricht. „Sag doch, dass du seit einem Jahr Hartz IV bekommst. Sag doch, dass das mit dem Orgelbau und der Fahrschule nicht mehr richtig funktioniert. Sag das doch. Ist doch nicht schlimm.“ Ihr Mann schluckt kurz. „Ja, das ist so“, sagt er dann. „Ein Segen ist das mit der Wahl“, ruft seine Frau wieder dazwischen. „Ein Segen, wie das jetzt gekommen ist.“

Wenn Claudia Backhaus nicht als Mensch auf die Welt gekommen wäre, sondern als Naturphänomen, dann vielleicht als ein Vulkan, der schon lange bebt und mit lautem Knall ausbricht. Claudia Backhaus ist 55 Jahre alt, Mutter von vier erwachsenen Kindern, sie lebt mit ihrem Mann Gottfried in einem kleinen Ortsteil von Mücheln, einer Kleinstadt, 8967 Einwohner, im Saalekreis, südliches Sachsen-Anhalt. Gottfried Fritz Backhaus, 57 Jahre alt, hat am Sonntag bei der Landtagswahl 9670 Stimmen für die AfD geholt, 33,1 Prozent, absolut die meisten, Direktmandat, bestes Ergebnis. Im Wahlkreis 40 mit 0,8 Prozent Ausländeranteil. Mehr Stimmen als der Landesvorsitzende André Poggenburg. „Der hat gerade mal 8000.“

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.