Berlin - Nach allem, was bisher bekannt wurde, ist in Potsdam keine Regierungsumbildung geplant: Britta Ernst will und soll Bildungsministerin im Land Brandenburg bleiben. Sie, die Ehefrau von Bundeskanzler Olaf Scholz, sieht die Rolle der First Lady als Nebenjob.

Da ist sie genauso selbstbewusst, wie Merkels Ehemann, der Quantenchemiker Joachim Sauer. Dass Britta Ernst ihr Amt behält, ist nur zu begrüßen, denn die Position einer First Lady als Anhängsel ihres Mannes klingt nach einer längst vergangenen Bundesrepublik – genau wie die Zahnarztgattin.

Hanseatisch kühl

Britta Ernst, die mit ihrem Mann seit Jahren in Potsdam wohnt, wird von allen Seiten gelobt für ihre fachliche Kompetenz, ihren Fleiß, ihren „Aktenhunger“, ihre Detailkenntnis. Kritiker halten ihr vor, dass sie auf menschlicher Ebene eher zu den etwas schwierigeren Führungspersönlichkeiten gehört – wegen ihrer hanseatischen Kühle. Sie gilt nicht als Visionärin, aber als kluge Frau, die weiterdenkt, als die aktuellen Probleme reichen. Ernst und Scholz ergänzen sich nicht etwa durch ihre charakterlichen Unterschiede so gut, sondern durch ihre Ähnlichkeit.

Ernst war ab 1997 Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft, dann bis 2017 Bildungsministerin in Schleswig-Holstein. Im selben Jahr wechselte sie nach Potsdam. Bei etlichen Frauen der Brandenburger SPD kam es nicht gut an, dass keine von ihnen den Posten bekam, sondern die Hanseatin. 

Durch dieses Amt fungiert die 60-Jährige dieses Jahr als Chefin der Kultusministerkonferenz. Als letzte Amtshandlung stellt sie am Freitag die Ergebnisse der 376. Kultusministerkonferenz vor.

Bei Sauer und Merkel gab es keine Überschneidungen von Familie und Beruf, anders bei Ernst und Scholz: Beide sind in Regierungsämtern – da finden die Bund-Länder-Verhandlungen quasi am Frühstückstisch statt. Das ist zumindest ungewöhnlich. Andererseits gab es keinerlei Vorwürfe, dass Brandenburgs Schulen zusätzlich davon profitierten, dass Scholz der Herr des Geldes in der Regierung Merkel war.