Die Grünen haben Rückgrat in der Atomdebatte, aber leider unrecht

Baerbock und Co. wollen keine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke. Das sagen sie aus Überzeugung. Die Union ist weniger prinzipientreu. Zum Glück.

Friedrich Merz und Markus Söder vor einem Kühlturm des AKW Isar 2
Friedrich Merz und Markus Söder vor einem Kühlturm des AKW Isar 2AFP/Christof Stache

Man kann über die Grünen sagen, was man will, aber sie glauben wenigstens an etwas. Zum Beispiel daran, dass Kernenergie unglaublich gefährlich ist. Deshalb wollen sie trotz der drohenden Gas- und Energieknappheit alle deutschen Atomkraftwerke bis Ende des Jahres abschalten, höchstens noch im Streckbetrieb laufen lassen. Was in der Politik, wie im echten Leben, aber fast genauso wichtig wie eine Überzeugung ist: Sie sind auch bereit, ihre Position gegen Widerstand zu verteidigen. So tun es derzeit Baerbock, Haßelmann und Co.

Dass sie Überzeugungen treu bleibt, kann man von der Union zum Glück nicht behaupten. So besuchten heute die Unionschefs Merz und Söder das AKW Isar 2 und sprachen sich erneut für eine Laufzeitverlängerung aus. Doch es war die CDU-Kanzlerin Angela Merkel, die den Ausstieg 2011 durchsetzte. Als bayrischer Umweltminister drohte Söder damals sogar mit Rücktritt, sollte Deutschland nicht bis 2022 aus der Atomkraft aussteigen.

Damals war Fukushima und die Angst vor dem GAU in Deutschland ging um. Heute ist Ukraine-Krieg und die Angst vor dem Kälte-Winter geht um. Für die Union galten die Kraftwerke damals als gefährlich, jetzt hält die Partei sie für die sichersten der Welt. Wie es gerade passt. Was sich nur geändert hat: Heute will das Volk die Atomkraft behalten.

Das Blöde für die Grünen ist: Sie liegen in der Sache trotz aller Überzeugungen falsch. Die Union hat mit ihrer heutigen Position recht. Schon 2011 war es Unfug, aus der Kernkraft auszusteigen. Deutschland hat als Industrienation einfach nicht genügend Wind und Sonne, um auf AKW zu verzichten und die Klimaziele einzuhalten, ohne sich von Despoten abhängig zu machen.

Das hätte die Union auch 2011 sagen können. Doch sie war nicht bereit, ihre Position gegen Widerstand zu verteidigen. Wer heute in der Unionsfraktion anfragt, wie es die Berliner Zeitung tat, findet bei den einstigen Befürwortern des Ausstiegs keinen einzigen Abgeordneten mehr, der eine Weiternutzung kritisch sieht.