BerlinVolksvertreter haben einen Knochenjob. Die Berliner Zeitung hat alle Bundestagsabgeordneten per Mail angefragt, wie viele Stunden pro Woche sie nach eigener Einschätzung arbeiten. Das Ergebnis der Umfrage können Sie der Grafik entnehmen.

Knapp 150 Abgeordnete haben eine Schätzung abgegeben und sich dabei über alle Parteigrenzen hinweg sehr einig gezeigt: Die meisten Abgeordneten geben an, dass sie zwischen 60 und 80 Stunden pro Woche arbeiten. Doch Zahlen können nur einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit wiedergeben. Das zeigen die Mails, die unsere Redaktion erreicht haben und auch die vielen Telefonate mit Abgeordneten, die wir in den letzten Tagen geführt haben. Der SPD-Abgeordnete Dietmar Nietan bringt dies mit einem Satz auf den Punkt: „Viel mehr als die reine Arbeitsbelastung drücken die wachsende Verachtung für ‚die Politiker‘ und die Unbarmherzigkeit des Umgangs in den sozialen Medien auf die Seele“, schreibt er.

Diese Meinung teilen fast alle, die auf unsere Anfrage reagierten. Viele wollten dabei lieber nicht zitiert werden. Bloß nicht beim Jammern erwischt werden! Mit am anstrengendsten sind die langen Nächte im Plenum. Die Bundestagsverwaltung führt Buch über die Sitzungszeiten; danach gibt es kaum noch einen Donnerstag, an dem das Parlament vor Mitternacht Schluss macht. Vielleicht war es Zufall, vielleicht auch nicht, dass an diesem Tag vergangene Woche gleich zwei Abgeordnete einen Schwächeanfall erlitten.

Für die Marathonsitzungen ist offenbar auch die AfD verantwortlich. Sie besteht darauf, dass sämtliche Reden im Parlament auch gehalten werden, egal wie spät es ist. Früher wurden sie oft nur zu Protokoll gegeben und waren dann online nachzulesen. Jetzt pocht die AfD auf Präsenz. Auch um zwei Uhr nachts. Die Grünen-Abgeordnete Beate Müller-Gemmeke hat dabei vor allem die Beschäftigten des Stenografischen Dienstes und die Plenarassistenten im Blick: „Ich meine, diese Belastung ist zu hoch.“