Der Strand von S’Arenal auf Mallorca. Schilder weisen die Badegäste auf die Abstandsregeln hin. Künftig könnte es noch ruhiger an Mallorcas Stränden werden: Die Ferieninsel ist zum Corona-Risikogebiet erklärt worden.  
Foto:  Clara Margais/dpa

Palma/BerlinTausende deutsche Touristen hat die Reisewarnung für Mallorca mitten in ihrem Traumurlaub auf der beliebten Ferieninsel erreicht. Die meisten, mit denen die Deutsche Presse-Agentur vor Ort sprach, reagieren ziemlich entspannt. Melanie und Karsten sitzen auf einer kleinen Mauer, die den Strand von Palma von der Promenade trennt. „Wir sind nicht sonderlich überrascht, dass Mallorca jetzt Risikogebiet ist - wir wussten schon vorher, dass der Schuss auch nach hinten losgehen kann“, sagt Melanie. Die beiden landeten vergangenen Mittwoch auf der Insel. Sie bereuen nicht, dass sie gekommen sind. „Wir wollten vor allem mal eine Woche weg und nichts von Corona hören“, lacht Melanie. „Das hat ja jetzt nicht geklappt. Aber bei der derzeitigen Lage wollen wir einfach jeden Tag genießen und im Jetzt leben.“

Auf Mallorca hätten sie sich bisher nicht unsicherer gefühlt als zu Hause, auch wenn nicht jeder hier die Maskenpflicht ernst genommen habe. Aber gerade im Hotel sei alles vorbildlich. Dort habe man bei den Angestellten aber auch deutlich die Folgen der Reisewarnung gespürt: „Die waren gestern alle noch total gut drauf, und heute Morgen waren plötzlich alle merklich angespannt“, berichtet Karsten. Kein Wunder, die Menschen fürchten um ihren Arbeitsplatz. Die Branche steht für 35 Prozent der Wirtschaftsleistung der Inseln.

Auch wenn die Urlauber, die jetzt schon auf Mallorca sind, sich im Risikogebiet durchaus wohlfühlen, die Abstimmung mit den Füßen ist eindeutig: Im vergangenen Jahr reisten mehr als 4,5 Millionen Deutsche auf die Balearen. Dieses Jahr sind auf dem Höhepunkt der Feriensaison gerade mal rund 30.000 Deutsche vor Ort. Und jetzt läuft auch noch die Rückreisewelle an, Pauschalreisen werden wie bei TUI abgesagt.

Die Bundesregierung hatte am Freitag die bislang für einige spanische Regionen geltende Reisewarnung auf das gesamte spanische Festland sowie die Balearen ausgedehnt, wozu auch Mallorca gehört. Ausgenommen von der Reisewarnung, die Pauschaltouristen eine kostenlose Kündigung des Reisevertrages ermöglicht, sind nur die Kanarischen Inseln.

Eine 26-Jährige aus Niedersachsen, die ihren Namen lieber nicht nennen möchte, äußert Zweifel am Sinn der deutschen Entscheidung. „Ich finde es schwierig, dass ausgerechnet Mallorca zum Risikogebiet erklärt wird. Die Abstandsregeln werden hier vergleichsweise gut eingehalten. Hier ist weniger los als an der Nord- oder Ostsee, und dort wird weniger auf den Abstand geachtet als hier“, sagt sie.

„Ich bin eigentlich eher froh, dass wir schon hier waren, als die Insel zum Risikogebiet erklärt wurde - ich wüsste nicht, ob wir sonst geflogen wären“, räumt die Niedersächsin ein. Genau dies ist es, was die Reisewarnung beabsichtigt und Tourismusunternehmer und ihre Angestellten auf Mallorca fürchten: Dass nun auch die letzten Deutschen einen Bogen um die Inseln machen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verteidigte die Entscheidung, betonte aber zugleich, diese sei kein Reiseverbot. Man könne und solle den Urlaub auch fortsetzen, jedoch wachsam sein, Abstand halten, Hygieneregeln beachten und in bestimmten Situationen Alltagsmasken tragen. „Das Virus macht keine Ferien. Deswegen müssen wir  im Urlaub auch gut aufeinander aufpassen“, sagte er in den ARD-Tagesthemen.

Spahn wertete die steigenden Infektionszahlen in Spanien zugleich als Mahnung zur Wachsamkeit auch in Deutschland. „Das Besorgniserregende ist eben, wie schnell es einem entgleiten kann, wenn die Dynamik steigend bleibt. Und Spanien, finde ich, ist da gerade für uns ein warnendes Beispiel.“ Zugleich rief der Minister zum Tragen von Masken auf. Das Virus besiege man nur im „Teamspiel“. „Das ist jetzt keine Zeit für Egoismus“, warnte der Minister.

Oliver und seine Freundin Sabrina aus Osnabrück sind unterwegs zum Wasser. „Wir sind extra so früh hier, damit der Strand noch ein bisschen leerer ist“, sagte der 27-Jährige. „Wir genießen jetzt noch unseren Urlaub, ändern können wir ja eh nichts mehr“, sagt die 22-jährige Sabrina. Aber ärgerlich sei das schon alles. „Mal schauen, wie das jetzt mit der Rückreise läuft. Wir werden wohl den Test am Flughafen in Anspruch nehmen, und dann halt schauen, was der Arbeitgeber sagt“, meint Oliver. Für den Rest des Urlaubs wollen die beiden jetzt so viel Zeit wie möglich im Hotel verbringen und Menschenmassen möglichst meiden. „Im Hotel ist das Sicherheits- und Hygienekonzept sehr gut, am Strand hält sich nicht jeder an den Abstand“, berichtet Oliver.

Sabine, Alex und Renate im Partnerlook mit Blumenmuster hat die Reisewarnung sogar noch in Deutschland erwischt und sie sind trotzdem geflogen. „Unsere Koffer waren ja schon gepackt, eine andere Option gab es nicht“, lacht die 29-jährige Renate. Freundin Sabine erklärt, dass sie ohnehin einen ruhigen Urlaub auf einer Finca geplant hatten: „Wir sind dieses Jahr nicht für Party auf Mallorca, sondern werden in unserer Woche Ferien viel auf der Finca sein und vielleicht mal essen gehen, Menschenmassen aber auf jeden Fall meiden.“

Wer jetzt immer noch individuell nach Mallorca aufbrechen will, dem raten Verbraucherschützer zur sorgfältigen Prüfung der von ihnen gebuchten Flüge. Zwar stehe es jedem zumindest von deutscher Seite aus frei, überall hinzureisen, es könne jedoch sein, dass Airlines geplante Flugverbindungen nicht mehr anbieten, warnte  Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen.

Dieses Risiko besteht auch für Reisende, die sich derzeit bereits in Spanien befinden. Während bei Pauschalreisenden der Veranstalter für die Organisation der Rückreise verantwortlich ist, steht es Individualreisenden grundsätzlich frei, ob sie ihren Urlaub wie geplant fortsetzen oder sich um eine frühere Rückreise bemühen. Auch sie sollten allerdings prüfen, ob ihr gebuchter Rückflug überhaupt noch wie geplant angeboten wird.