Bettina Jarasch.
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BerlinAls die Grünen am Montag überraschend Bettina Jarasch als ihre Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl 2021 vorstellten, fiel auffällig oft die Formulierung, sie sei eine Brückenbauerin. Jarasch, Katholikin aus Kreuzberg mit Wahlkreis in Pankow, gilt als akzeptiert in beiden Flügeln der Partei. Brücken muss die frühere Landesvorsitzende vor allem wohl erst einmal in der eigenen Partei bauen, da scheinen die Gräben ziemlich tief zu sein. Die Berliner Grünen – eine Baustelle.

Zum ersten Mal seit zehn Jahren, seit der Kandidatur von Renate Künast, hat die Partei eine große Chance, das Rote Rathaus zu erobern. In den Umfragen liegt sie bei rund 26 Prozent, weit vor der SPD. Sie hat zwei profilierte, erfahrene Politikerinnen an der Spitze: Fraktionschefin Antje Kapek und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop. Ein Glücksfall. Eigentlich. Doch die Berliner Grünen haben die Tendenz, immer, wenn es spannend wird, in Grabenkämpfe zu verfallen.

Pop, als stellvertretende Bürgermeisterin die ranghöchste Grüne, konnte sich offenbar gegen Kapek nicht durchsetzen. Und umgekehrt. Die Grünen vergeben sich damit die Chance, ihre Regierungserfahrung auf Landesebene herauszustellen. Und es wirft kein gutes Licht auf die Partei, wenn das höchste Amt der Stadt zum Spielball innerparteilicher Kämpfe wird. Sollte nicht die Beste aufgestellt werden, was Erfahrung und Kompetenz angeht? Es stellt sich auch die Frage, warum Frauen offenbar nicht in der Lage sind, Machtbünde zu schließen, wie Männer das dauernd tun.

Könnte sein, dass dieser Kompromiss die Grünen die Chancen auf das Bürgermeisteramt kostet. Auf Bettina Jarasch kommt keine leichte Aufgabe zu, sie hat keine Verwaltungserfahrung und ist viel weniger bekannt als ihre gefährlichste Konkurrentin, Bundesministerin Franziska Giffey (SPD), die auch ins Rote Rathaus will. Diese Nominierung dürfte also vor allem der SPD nützen.