Trauernde vor dem Islam-Zentrum in Christchurch -Linwood im März 2019.
Foto: AP/Vincent Thian

ChristchurchFarid Ahmed ist dieser sanftmütige, stets lächelnde Mann im Rollstuhl, der mit seinen Worten kurz nach den Terrorattacken von Christchurch am 15. März 2019 die Welt bewegt und im vergangenen Dezember in Abu Dhabi einen internationalen Friedenspreis erhalten hat. Er sprach von Liebe und Vergebung für den Massenmörder Brenton Tarrant, der bei den Freitagsgebeten mit fünf Sturmgewehren bewaffnet in zwei Moscheen der zweitgrößten Stadt Neuseelands eindrang und Ahmeds Frau Husna sowie 50 weitere muslimische Gläubige umbrachte. In der Zwischenzeit hat Farid Ahmed ein Buch geschrieben, es heißt „Husna‘s Story“, und er sagt noch immer, er wolle den rechtsextremistischen Australier treffen. Aber anders als viele andere Hinterbliebene der Toten und viele Überlebende des Massakers wird der 57 Jahre alte Witwer die auf vier Tage angesetzte Anhörung mit Urteilsverkündung, die an diesem Montag am Hohen Gerichtshof (High Court) in Christchurch beginnt, nicht dazu nutzen, dem Fanatiker gegenüberzutreten.

66 Opfer werden im Rahmen der Anhörung sogenannte „Victim Impact Statements“ selbst verlesen, von jemand anderem vortragen oder als Aufzeichnung einspielen lassen; das sind persönliche Berichte über die physischen und psychischen Auswirkungen der traumatisierenden Attacken, die das Leben dieser Menschen aus der Bahn geworfen haben, all das Leid, die Entwurzelung und Verzweiflung.  Der aus Bangladesch stammende Farid Ahmed, der mit Husna 24 Jahre verheiratet war, sagt dazu: „Diese Statements bestätigen ihn in seinem Handeln, denn genau das wollte er doch erreichen. Warum sollte ich ihm diese Genugtuung geben?“

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