Polizisten lösen eine Demo gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung auf.
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BerlinIn der Corona-Krise werden verstärkt antisemitische Stereotype und Verschwörungstheorien verbreitet. „Bei Demonstrationen gegen die Corona-Beschränkungen werden Vergleiche gezogen zwischen dem Nationalsozialismus und den Maßnahmen der Bundesregierung. Auch die Shoah wird relativiert“, sagte Benjamin Steinitz, Geschäftsführer der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) am Mittwoch.

Als Beispiel nannte er eine Demo in Stuttgart, bei der ein Demonstrant einen Mundschutz trug, auf dem stand. „Damals der Judenstern, heute die Gesichtsmaske“. Dies seien erschreckende Entwicklungen, weil zumindest die sogenannten Hygiene-Demonstrationen in Berlin ein sehr breites Spektrum abbildeten das von rechtsextremen Verschwörungstheoretikern bis weit in die Mitte der Gesellschaft reiche.

Annette Seidel-Arpaci, Rias-Leiterin in Bayern, berichtete, von zehn bekannt gewordenen antisemitischen Vorfällen im Zusammenhang mit Corona. So würden bei Demonstrationen gegen die Coronabeschränkungen Schilder gezeigt mit der Aufschrift: „Ausgangsbeschränkungen sind sozialer Holocaust“ oder Menschen würden einen gelben Stern ähnlich dem Judenstern aus der Nazizeit mit der Aufschrift „ungeimpft“ tragen. „Von massiver Onlinepräsenz verlagert sich der Antisemitismus in den letzten Wochen zunehmend auf die Straße“, sagte Seidel-Arpaci.

Der Bundesverband der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus baut derzeit seine Meldestellen für antisemitische Vorfälle bundesweit aus und ist bislang in Berlin, Brandenburg, Schleswig-Holstein und Bayern präsent. Dort erfasste Rias im vergangenen Jahr insgesamt 1 253 antisemitische Vorfälle wie Beleidigungen, Bedrohungen und Angriffe. Aus den anderen zwölf Bundesländern wurden weitere 200 antisemitische Vorfälle bekannt. Die Rias-Mitarbeiter gehen davon aus, dass es ein großes Dunkelfeld gibt und viele Fälle nicht bekannt werden.