Der Mann mit dem Stäbchen ist da: Corona-Test für Reisende in Baden-Württemberg. 
Sebastian Gollnow/dpa

BerlinReiserückkehrer aus Risikogebieten sollen nun doch nicht mehr auf das Coronavirus getestet werden. Gesundheitsminister Jens Spahn will diese Regelung gemeinsam mit den Gesundheitsministern der Länder so schnell abschaffen, wie sie eingeführt wurde. Der Grund dafür ist einsichtig: Es funktioniert nicht. Die Labore sind mit ihrer Testkapazität am Limit – und außerdem ist das Ganze sowieso nur teilweise aussagekräftig.

Ja, es ist schon so: Wir alle lernen in der Pandemie täglich dazu. Es ist allerdings ein bisschen unangenehm, den Politikern dabei zuzusehen. Schließlich haben sie uns als Krisenmanager über Monate erklärt, sie hätten alles im Griff. Der erste Knacks kam mit Markus Söders Test-Pannen. Erst erklärte er uns, dass an bayerischen Autobahnen und Flughäfen mit den Teststäbchen für die Sicherheit von ganz Deutschland gesorgt würde – und dann laufen Corona-Positive tagelang in der Gegend herum, weil man in den Behörden die handgeschriebenen Zettel nicht mehr entziffern kann. Jetzt räumt Jens Spahn ein, dass es grundsätzlich nicht klappt. Und schiebt hinterher, dass die Familienfeiern sowieso viel gefährlicher sind als die Rückkehrer.

Inzwischen bereiten wir uns alle auf den Herbst vor, wenn wir alle wieder drinnen sitzen und Lüften nicht mehr ganz so viel Spaß macht wie während der Hundstage. Die CDU-Vorsitzende auf Abruf erklärt, wir sollten demnächst alle am Arbeitsplatz Masken tragen. Und ansonsten sollen in den Gebäuden flugs die Filteranlagen nachgerüstet werden. Die Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen lachen gallig über diesen zynischen Scherz. Dort gibt’s ja noch nicht mal Griffe an jedem Fenster. Das alles wären wunderbare Motive für die Mottowagen im nächsten Karneval, aber der wird ja jetzt auch abgesagt. Oder doch nicht? Man muss es klar sagen: Die Pandemie-Politik zerfasert. Zeit für eine Fernsehansprache der Kanzlerin.