Mehr Fortschritt wagen. Das ist das Leitmotiv der Ampel. Nach dem ersten gemeinsamen Auftritt der Spitzen von SPD, Grünen und FDP vor der Bundespressekonferenz muss man allerdings sagen: Weniger Floskelsprache wagen. Das wäre ein echter Fortschritt.

Am Dienstag haben Olaf Scholz (SDP), Christian Lindner (FDP) und Robert Habeck (Grüne) im Futurium den Koalitionsvertrag unterschrieben. Gemeinsam sind sie dann die wenigen hundert Meter hinüber zum Haus der Bundespressekonferenz gelaufen – umringt von Fotografen, die, wenn sie dem Trio zu nahe kamen, von Personenschützern weggeschubst wurden. Ja, das hatte schon den Hauch von großer Politik.

In der anschließenden Pressekonferenz fiel der Eindruck des Aufbruchs dann leider zusammen wie ein missglücktes Soufflé. Vor allem der designierte Bundeskanzler weigerte sich partout, konkrete Aussagen zu machen. Auf Fragen zur Außenpolitik, die zahlreich gestellt wurden, antwortete er gleich mehrfach mit der Beschreibung, dass es viele einflussreiche Länder gebe und dass die Situation in der Welt halt auch nicht einfacher geworden sei. Dreimal versuchten die Journalisten, zu erfahren, was er davon hält, dass die amerikanische Regierung die olympischen Winterspiele in China boykottieren will. Dreimal wurden sie mit lupenreinem inhaltslosen Geschwurbel abgefertigt.

Robert Habeck, der neben ihm saß, war am Dienstag auch kein Lichtblick in diesen trüben Aussichten künftiger Regierungsbefragungen. Er sehe keine Schmerzgrenzen, erklärte er auf eine Frage nach den Unterschieden zwischen den drei Ampelparteien, er sehe nur Wachstumsfreuden. Christian Lindner, der sich für jede Frage gespreizt bedankte, erklärte wiederum, dass er kein Verhinderungsminister, sondern ein Ermöglichungsminister sein möchte. Das Volk wird es ihm danken.