Feierliches Gelöbnis neuer Rekruten der Bundeswehr in Thüringen.
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BerlinEva Högl, die neue Wehrbeauftragte der Bundesregierung, hat die Diskussion über eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht angestoßen und damit einem Thema Aufmerksamkeit gesichert, das ohne beginnendes Sommerloch möglicherweise schnell vom Tisch gewischt worden wäre. Man kann der Wehrbeauftragten also durchaus vorwerfen, eine Debatte aufzuwärmen, die immer mal wieder geführt wird – ohne Aussicht, dass sich das Ergebnis grundlegend ändert. Ernsthaft zieht kaum jemand die Rückkehr zur Wehrplicht in Betracht – schon, weil der entsprechende Aufwand schlicht zu hoch wäre.

Was aber vor allem irritiert, ist Högls Hoffnung, Rechtsextremismus in der Bundeswehr kontrollieren zu können, indem junge Menschen wieder zum Dienst an der Waffe verpflichtet werden. Das ist ein ebenso gut gemeintes wie sinnloses Ansinnen: Die Bundeswehr war auch zu Zeiten der Wehrpflicht nie wirklich ein Spiegelbild der Gesellschaft, in dem sich alle politischen und gesellschaftlichen Schichten mischen. Wer etwa besonders pazifistisch eingestellt war, wählte auch damals schon den Zivildienst. Auch gibt es noch viel zu wenige Erkenntnisse darüber, inwieweit Rechtsextremismus in der Bundeswehr tatsächlich mit dem Entstehen einer Freiwilligenarmee zusammenhängt. Schließlich ist in den vergangenen Jahren nicht nur in der Bundeswehr, sondern auch in der Zivilgesellschaft ein Ansteigen rechtsextremer Gesinnung ablesbar. Wer spiegelt hier wen wider – das klassische Henne-und-Ei-Problem.

Es ist einigermaßen absurd, dieses strukturelle Problem mit einer Rückkehr zum Wehrdienst lösen zu wollen. Sinnvoller wäre es, entsprechende finanzielle Ressourcen in der Bundeswehr angegliederte Programme zu investieren, die wirklich dafür sorgen, dass jungen Rekruten in ihrer Ausbildung die Werte einer demokratischen Gesellschaft vermittelt werden und rechtsextreme Tendenzen in der Bundeswehr erst gar keinen Nährboden finden.