BerlinDie an die Spitze der USA gewählten Joe Biden und Kamala Harris haben mit ihren ersten Reden schon ihre wichtigste Botschaft verkündet: Anstand und Respekt in die amerikanische Politik zurückzubringen. Da mögen der Noch-Amtsinhaber Donald Trump und seine verbliebenen Vasallen noch so empört tuten und tönen, ihre Zeit ist vorbei. Es zeigt die Größe des neuen Führungsduos, dass sie auf die Beleidigungen, Lügen und Drohungen aus dem Trump-Lager gar nicht mehr eingehen. Das ist einerseits das Schlimmste, was man Narzissten vom Schlage Trumps antun kann – sie einfach zu ignorieren. Und es ist andererseits der beste Weg, um den auch fast 70 Millionen Wählern des bisherigen Präsidenten die Hand zur Versöhnung zu reichen.

„Lasst uns die Ära der gegenseitigen Verteufelung beenden“, rief Biden in seiner Rede zur Annahme der Präsidentschaft in Wilmington. Er dürfte damit den Wunsch sehr vieler Amerikaner formulieren, und er nennt die Methode, die in einer Demokratie eigentlich selbstverständlich sein sollte: Anzuerkennen, dass Menschen mit einer anderen Meinung politische Gegner, aber keine Feinde sind. „Lasst uns einander eine faire Chance geben“, lautete sein Vorschlag, der an ein fast in Vergessenheit geratenes altes Grundprinzip der amerikanischen Gesellschaft anknüpft: Dass jeder eine faire Chance haben soll. Wenn dieser Gedanke auch in die praktische Politik zurückkehrt, da, wo es um die Teilhabe abgehängter Schichten geht und um die Eingrenzung der Macht der wirtschaftlich Erfolgreichen, dann gibt es eine Aussicht, die Gesellschaft wieder zu versöhnen.

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