Berlin - Der Berliner Senat will die U-Bahnlinie 7 ausbauen - sowohl im Südosten zum Flughafen BER als auch im Nordwesten in Spandau, wo die Hochhaussiedlung Heerstraße Nord angebunden werden soll. Das sagte Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) am Dienstag im Anschluss an die Senatssitzung. Die Koalition wolle als ersten Schritt eine Kosten-Nutzen-Analyse in Auftrag geben. Das sei Voraussetzung, um eine bis zu 75-prozentige Förderung des Bundes zu erreichen. Allerdings sei nicht mit einem Baubeginn „vor Ende dieser Dekade“ zu rechnen, so Günther. Eine Fertigstellung sieht sie „2032 bis 2035“. 

Der Ausbau der U7 soll Günther zufolge jedoch nicht der einzige Berliner U-Bahnbau der kommenden 15 Jahre bleiben. So könne etwa die U3 von der bisherigen Endstation Krumme Lanke zum S-Bahnhof Mexikoplatz in Zehlendorf verlängert werden. Vorerst zurückgestellt werden solle nach Auswertung der Machbarkeitsstudien jedoch eine Verlängerung der U8 ins Märkische Viertel. Ein Abzweig der U6 zur Urban Tech Republic auf dem früheren Flughafengelände in Tegel sei gar kein Thema mehr.

Zusage für ein altbekanntes Projekt

Die diskutierte Verlängerung der U7 ist kein neues Projekt. Bereits vor knapp 20 Jahren, als der Senat den ersten Stadtentwicklungsplan Verkehr vorbereitete, wurde darüber diskutiert, berichtete Friedemann Kunst, der spätere Chef-Verkehrsplaner des Senats. Doch weder die Fortführung ins Wohngebiet Rudow Süd noch eine weitere Verlängerung zum S-Bahnhof Schönefeld habe Argumente für den Bau ergeben, sagte er der Berliner Zeitung. Flughafen-Express und S-Bahn wären die „wesentlich attraktiveren Angebote“, habe es damals geheißen. Befürchtet wurde, dass die bereits jetzt längste U-Bahn-Linie Berlins störanfälliger werde. Allerdings gingen die Planer anders als heute davon aus, dass die Einwohnerzahl nicht zunehmen werde, so Kunst.

Die Berliner SPD-Chefin Franziska Giffey bewertet den U7-Vorschlag grundsätzlich positiv. „Berlin braucht ein leistungsfähiges, hochwertiges und schnelles Verkehrsnetz, damit die Berliner rund um die Uhr zuverlässig an ihr Ziel kommen. Die Verlängerung der U7 gehört deshalb schon lange zu unseren Forderungen“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Sogleich schwenkte die Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl im September über in den Wahlkampfmodus. „Wir müssen endlich anfangen“, sagte Giffey in Richtung Verkehrssenatorin Günther. SPD, Linke und Grüne sind vom ersten Tag der Koalition an uneins über den U-Bahnausbau.

Während die SPD einen Ausbau befürwortete, sind Linke und Grüne vor allem wegen der Kosten und des Zeitaufwandes skeptisch. Oft sei die Straßenbahn geeigneter, sagen sie. Ergebnis: Im Koalitionsvertrag ist bis auf den Lückenschluss der U5 zur U55 zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor - abgeschlossen im Dezember vergangenen Jahres - kein weiteres U-Bahnbauvorhaben aufgeführt. 

Wirtschaft fordert mehr Engagement 

Für die CDU lässt Oliver Friederici kein gutes Haar an rot-rot-grüner Verkehrspolitik. „Der Senat hat vier Jahre lang das U-Bahn-Thema verschlafen“, sagt er, die vorgestellten Pläne seien vage und unzureichend. Vor allem aber kritisiert der Verkehrspolitiker, dass „erst jetzt Kosten-Nutzen-Untersuchungen erfolgen sollen“, außerdem gebe es keine konkreten Zeitpläne. Für ihn klinge das „wie eine Verschiebung auf den Sankt Nimmerleinstag. Mit Grünen-Senatorin Günther wird es keine neuen U-Bahnen geben.“

Wirtschaftsvertreter begrüßten am Dienstag die Festlegung auf die U7 - forderten jedoch weitere Schritte. Aus Sicht von Jörg Nolte, Geschäftsführer Wirtschaft und Politik der Industrie- und Handelskammer (IHK), wäre zum Beispiel ein Abzweig der U6 nach Tegel „besonders wichtig. Man kann doch einen Zukunftsort nicht ohne zukunftstaugliche Verkehrsanbindung entwickeln“, so Nolte.

Christian Amsinck hat dagegen vor allem die Zusammenarbeit mit Potsdam im Blick. Bei der U7 sei eine „rasche Abstimmung mit Brandenburg“ wichtig, sagt der Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg. 

Aus Brandenburg selbst hieß es am Dienstag, dass die U7-Verlängerung für die verkehrliche Erschließung des BER nicht benötigt werde. Die Strecke hätte aber eine „wichtige Erschließungsfunktion für die wachsende Gemeinde Schönefeld und die umliegenden Gewerbegebiet im Flughafenumfeld“, sagte Katharina Burkardt, Sprecherin des Infrastrukturministers Guido Beermann (CDU). Unter Federführung der Gemeinde Schönefeld soll nun die Vorzugsvariante herausgearbeitet werden.