Technologieunternehmer Elon Musk verlässt die Vorstandsklausur der CDU/CSU.
Foto: Fabian Sommer/dpa 

BerlinErst fährt ein weißer Tesla vor, dahinter sogleich ein schwarzer. Die Flügeltüren heben sich geräuschlos nach oben – und die Unionsfraktion darf tatsächlich einen echten Star als Gast auf ihrer Klausurtagung begrüßen. Tesla-Gründer Elon Musk schaut am Berliner Westhafen vorbei. Hier haben sich die Abgeordneten aus CDU und CSU versammelt, um das Ende der Sommerpause einzuläuten.

Die Kanzlerin ist kurz vor Musk eingetroffen und hat weniger Aufmerksamkeit erhalten als der Amerikaner, der in schwarzem Anzug mit ebensolcher Krawatte und im weißen Hemd erschien wie zu einer Beerdigung. Die Stimmung aber ist gut. Draußen regnet es in Strömen, aber in der Eventhalle, die die Fraktion für diesen Tag gebucht hat, ist die Stimmung ausgezeichnet. Es geht um „Jetzt.Zukunft“. Das ist das Motto, das sich die Fraktion für diesen Tag und überhaupt für die nächste Zeit gegeben hat.

Elon Musk, Technologieunternehmer aus den USA und Nadine Schön von der Unions-Fraktion.
Foto: Tobias Schwarz/dpa/AFP Pool

Auf der Treppe beantwortet der 49-jährige Weltraumpionier und Elektroautohersteller auch noch schnell die Frage eines ARD-Journalisten. Der will wissen, ob die Kameras in den Tesla-Autos ihre Bilder tatsächlich direkt live in die USA streamen. Musk stutzt kurz und sagt dann: „That’s not true.“ Dann eilt er gemeinsam mit seinem Tross und der CDU-Abgeordneten Nadine Schön, die ihn begrüßt hat, die Treppe hinauf. Allerdings geht es nicht zur Fraktion, sondern direkt in einen Besprechungsraum.

Transnationales Business mit Elon Musk

Im Foyer warteten derweil die Geschäftspartner der früheren Firma Grohmann Automation neben dem Modell eines von ihnen gemeinsam mit der Firma Curevac entwickelten RNA-Printers. Für den wurde das Patent schon im vergangenen Jahr angemeldet, doch die Corona-Pandemie macht ihn nun vermutlich zum Schlager. Mit dem Printer lassen sich in kleinen mobilen Produktionseinheiten Impfstoffe herstellen – in kurzer Zeit in sehr großer Menge. Grohmann Automation wurde 2016 von Tesla aufgekauft, weshalb Musk nun ein gemeinsames Projekt mit Curevac realisiert. Auch Curevac-Chef Franz-Werner Haas ist da und erklärt die Systematik des RNA-Printers. Er lobte den Synergieeffekt mit Tesla Grohmann Automation. „Ohne die Kollegen wären wir noch nicht so weit“, sagt er im Gespräch mit der Berliner Zeitung und meint damit den Impfstoff gegen das Coronavirus, auf den alle warten. In drei, vier Wochen erwartet Curevac erste Ergebnisse. Sollten sie so vielsprechend ausfallen, wie sich das bisher andeutet, ist Haas optimistisch, „dass wir bis Mitte nächsten Jahres durch sind“.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (links) und Ministerpräsident Dietmar Woidke (rechts) trafen Musk in Berlin. 
Foto:  Presseamt Brandenburg

Während er dies schildert, sitzt Elon Musk im ersten Stock der Hafenhalle mit dem Fraktionsvorsitzenden Ralph Brinkhaus, Gesundheitsminister Jens Spahn, Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Forschungsministerin Anja Karliczek zusammen. Ein Treffen mit der Kanzlerin war nicht geplant, sie diskutierte derweil mit der Fraktion. Die Zukunft der CDU findet neue Protagonisten. Am Dienstag hatte Musk seine Deutschlandreise mit einem Abstecher zum Hauptsitz von Curevac in Tübingen begonnen. Über die Gerüchte, dass er dort mit Firmenanteilen einsteigen wolle, hieß es bisher auch: „That’s not true.“

Mit der Unionsklausur hat das eigentlich nur am Rande zu tun. Aber es geht hier ja um die Zukunft, und mehr Zukunft als das, was Elon Musk derzeit verkörpert, geht nun mal nicht. Man spricht über Curevac, den RNA-Printer, der die Produktion eines Covid-19-Impfstoffes beschleunigen soll, und über die Gigafabrik in Brandenburg, wo im nächsten Jahr schon die ersten Teslas vom Band laufen sollen. Alles in bester Stimmung, wie es heißt, die Projekte liegen ja auch im Zeitplan.

Nach einer guten Stunde ist der Austausch beendet, Musk – und mit ihm das halbe Bundeskabinett, das die Union stellt – schlendert die Treppe herunter. Freundlich redet der Unternehmer auf die Forschungsministerin ein, die immer wieder nickt. Am Fuße der Treppe wird es dann ein bisschen grotesk: Alle umringen Musk und die Herren vom Tesla Grohmann Automation, die sich vor dem RNA-Printer aufgestellt haben. Von Corona-Abstand kann keine Rede sein, ausgerechnet hier, vor dem Hoffnungsträger gegen die Pandemie. Aber natürlich wollen alle ein Foto haben – und wenn es fürs eigene private Fotoalbum ist. Um Musk verstehen zu können, der hinter seinem Mund-Nasen-Schutz spricht, rücken alle immer näher. Das gibt wieder Bilder, die Kritik hervorrufen werden. Gesundheitsminister Jens Spahn, der die Situation kennt, hat sich vorsichtshalber schon verdrückt.

Musk erklärt nun ziemlich flüssig, wie der RNA-Printer funktioniert. „Er kreiert einen Antivirus, schreibt gewissermaßen ein Computerprogramm für jeden“, erläutert der 49-Jährige das Prinzip. „Das ist die Zukunft der Medizin.“ Da hat die Union wieder ihr Schlüsselwort.

Für Musk ging es dann noch weiter. Er traf in Berlin Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (beide SPD) um über die Bauarbeiten in Grünheide zu sprechen, wo ein Tesla-Werk entstehen soll. „Es war ein sehr angenehmes und konzentriertes Gespräch. Elon Musk ist mit allen Details der Gigafabrik Grünheide befasst“, sagte Woidke.