An der US-Botschaft im Irak ist es den zweiten Tag in Folge zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen.
Foto: dpa/Ameer Al Mohmmedaw

BerlinMit Wucht hat sich über den Jahreswechsel ein Krisenherd zurückgemeldet, um den es nach dem Ende der Massenproteste im Dezember etwas ruhiger geworden schien: der Irak. Brennende Gebäude, Gasgranaten, Kampfhubschrauber – es sind Bilder wie aus einem Krieg, die vom Gelände der vermeintlich hoch gesicherten US-Botschaft in Bagdad um die Welt gehen.

Schiitische Milizionäre begehren gegen die Anwesenheit der Amerikaner und gegen US-Luftschläge auf, bei denen Ende Dezember mehr als 20 Kämpfer der „Hisbollah-Brigaden“ getötet worden sein sollen. Die Hisbollah steht dem Iran nahe, weshalb US-Präsident Donald Trump zur Abwechslung mal nicht völlig daneben liegt, wenn er Teheran für die aktuelle Eskalation der Gewalt verantwortlich macht. Die Verantwortung für das Gesamtdilemma trägt der US-Präsident dennoch höchstselbst. Durch seine mutwillige Zerstörung des Atomabkommens hat Trump den Iran vom Verhandlungstisch vertrieben.

Nun sieht er sich einer Regionalmacht gegenüber, deren Einfluss groß genug ist, die gesamte Region zu destabilisieren. Wer wollte, konnte das vorher schon wissen, die Teheraner Machtdemonstration allerdings belegt die Thesen noch einmal eindrucksvoll: Ohne oder gar gegen den Iran geht im Nahen und Mittleren Osten nichts.

Eine kluge Politik würde diese Erkenntnis akzeptieren und ihre Lehren daraus ziehen. Die wichtigste wäre es, schnell an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Es braucht Konzepte und Strategien für eine diplomatische Lösung. Das permanente Drehen an der Gewaltspirale hingegen führt zu nichts. Außer zu neuer Gewalt.