Der Großteil der deutschen Bevölkerung nimmt Ausgangseinschränkungen und Kontaktverbote ernst.
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BerlinWir sind noch lange nicht am Höhepunkt der Seuche angelangt, doch schon heute wissen wir: Das Coronavirus stürzt eine ganze Gesellschaft in tiefe Not: medizinisch, finanziell und auch politisch.

Am Freitag sagte Kanzleramtsminister Helge Braun, ein Politiker mit dem Ruf eines maßvollen und redlichen Mannes, man werde sich das Geschehen an diesem Wochenende ganz genau anschauen. Halten sich die Menschen an die Vorgaben, soziale Kontakte auf ein absolutes Minimum zu reduzieren? Besonders der Sonnabend sei wichtig, sagte Braun: „Das ist ein entscheidender Tag, den haben wir besonders im Blick.“

Wir wissen nicht, ob Helge Braun – oder wer ist „wir“? – an diesem Sonnabend wirklich genau hingeschaut hat. Wenn, dann wird er gesehen haben, dass die meisten Menschen sich an die Beschränkungen gehalten haben. Selten war die Stadt an einem sonnigen März-Samstag so leer. Dazu passt, dass die Polizei sagt, dass die Anzahl der Verstöße gegen die Beschränkungen für die Gastronomie zurückgegangen sind.

Alles Momentaufnahmen, die nichts daran ändern, dass wir uns noch mehr reduzieren, unsere bürgerlichen Freiheiten noch mehr beschneiden, die Wirtschaft noch mehr kaputtmachen müssen, um zu überleben? Kann sein. Das Virus breitet sich aus, und es ist für jeden – und das gilt auch für Politiker – ungeheuer schwer, sich einem Verbotsüberbietungswettbewerb zu entziehen.

Jetzt, da ein neues Kontaktverbot gilt, wissen wir: Genau so schwierig ist es offenbar, sich auch nur zwei Tage lang an das zu halten, was man vorher gesagt hat.