Mit der Vier-Tage-Woche wäre vieles einfacher. Die Kinderbetreuung zum Beispiel.
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BerlinDer Vorschlag von Linke-Chefin Katja Kipping für eine 30-Stunden-Woche klingt nicht nur verlockend, seine Umsetzung hätte auch viele Vorteile: Studien zeigen, dass Beschäftigte im Schnitt zufriedener, produktiver und gesünder sind, wenn sie nur 30 statt 40 Stunden pro Woche arbeiten. Auch würde eine entsprechende Regelarbeitszeit der Tatsache entgegenwirken, dass es immer noch überwiegend Frauen sind, die spätestens bei der Familiengründung beruflich zurückstecken und in der Teilzeitfalle landen. Denn die Teilzeit wäre ja die neue Vollzeit. Die Vier-Tage-Woche, sie klingt nach einer klassischen Win-win-Situation.

Schade, dass sie nicht umsetzbar ist.

Denn natürlich gibt es gleich mehrere Haken. Die eine ist die Finanzierbarkeit. So lässt sich nicht in jeder Branche einfach die Produktivität steigern: Arbeit, die überwiegend im Büro stattfindet, lässt sich optimieren, etwa, indem Meetings verkürzt oder Arbeitsabläufe digitalisiert werden. Doch wer auf dem Bau arbeitet oder Haare schneidet, kann nicht einfach die Schlagzahl erhöhen – abgesehen davon, dass die Gesundheit darunter zu leiden drohte. Hier müsste mehr Personal eingestellt werden. Das aber bedeutete höhere Kosten, die für viele Firmen nicht zu stemmen wären.

Außerdem bleibt das Problem der Überprüfbarkeit: Auch eine flächendeckende 30-Stunden-Woche nützt nichts, wenn in Unternehmen weiterhin die stillschweigende Übereinkunft gilt, dass nur bei 50 Stunden Anwesenheit ein Fortkommen auf der Karriereleiter möglich ist.

Wie so oft läuft es auch hier wieder auf die alte Formel hinaus: Nötig wären höhere Löhne, gerade im Dienstleistungsbereich. Bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Und mehr Arbeitgeber, die anerkennen, dass flexiblere Arbeitszeitmodelle inklusive der Möglichkeit für Homeoffice und Teilzeitarbeit in Führungspositionen am Ende auch dem Unternehmen zugutekämen.