Die wichtigsten Analysen zur Bundestagswahl

Eine Woche nach der Bundestagswahl sind noch viele Fragen offen: Wird die Bildung einer Jamaika-Koalition glücken? Was bedeutet der Einzug der Alternative für Deutschland (AfD) für den neuen Bundestag? Und wie geht es nach dem Wahldebakel der SPD im Berliner Senat weiter? Lesen Sie noch einmal die wichtigsten Fakten und Hintergründe zu den bisherigen Erkenntnissen.

Der AfD-Erfolg

Die Alternative für Deutschland (AfD) hat bei der Bundestagswahl 12,6 Prozent geholt und wird mit mehr als 80 Abgeordneten in den neuen Bundestag einziehen. Alexander Gauland und Alice Weidel sind bekannt. Hier lesen Sie, wie radikal die anderen AfD-Politiker sind. Und hier geht es zur Übersicht der künftigen AfD-Abgeordneten.

Die ostdeutschen Wähler

Über den Erfolg der AfD zu reden, geht nicht, ohne über das schon lange gespaltene Ostdeutschland zu sprechen. Darüber redet der Wittenberger Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer. In den neuen Ländern holte die Partei 21,5 Prozent und damit deutlich mehr als im Bundestrend. In Sachsen wurde sie sogar stärkste Kraft. Wie konnte das geschehen? Seit 1990 und den Tagen Kurt Biedenkopfs war Sachsen CDU-Land. Warum es sich inzwischen zum politischen Hexenkessel entwickelt hat, erklärt Bernhard Honnigfort

Ostdeutsche Männer und Frauen

Der Frage, warum im Osten fast jeder dritte Mann bei den Rechtspopulisten sein Kreuz machte, bei den Frauen dagegen nur 17 Prozent, spürt Sabine Rennefanz in ihrem Text "Was ist los mit dem ostdeutschen Mann?" nach:  "Seit dem Wahlabend ist er nicht mehr der Loser, der Arbeitslose, das Opfer, nein, endlich ist er die Gefahr, endlich interessiert sich mal jemand für ihn, hört ihm zu." Und Anja Reich meint: "Der ostdeutsche Mann ist das Klischee des Ostdeutschen schlechthin. (...) Vor allem aber gehört zum ostdeutschen Mann die ostdeutsche Frau. Und das ist eine andere, nicht weniger klischeebeladene Geschichte." Welche das ist, erzählt sie in ihrem Essay.

Das Wahlergebnis aus Berliner Sicht

Auf die Ergebnisse aus Berlin mussten die Wähler wegen einer Technikpanne besonders lange warten - und dann gab der Bundeswahlleiter auch noch falsche Zahlen heraus. Nun steht aber fest: Im neuen, 709 Sitze umfassenden Bundestag werden 28 Abgeordnete aus Berlin vertreten sein, einer mehr als bisher. Der Wahlsieger CDU entsendet 6 Abgeordnete in das Parlament (2013: 9), ebenso die Linke (2013: 6). Hinzu kommen 5 Parlamentarier von der SPD (2013: 8), je vier von Grünen (2013: 4) und AfD (2013: 0) sowie 3 von der FDP (2013: 0). 

Besonders die Sozialdemokraten kamen in der Hauptstadt bei den Zweitstimmen auf ihr historisch schlechtestes Ergebnis. Am besten schnitt hier die Linke ab. Auch die CDU musste bei den Berliner Wählern herbe Verluste hinnehmen. Offenbar gelang es der Hauptstadt-Union nicht, ihren Richtungswechsel pro Offenhaltung des Flughafens Tegel glaubwürdig zu vertreten, vermutet unser Landespolitik-Experte Jan Thomsen.

Die Berliner Wahlkreise im Überblick

Besonders in Friedrichshain-Kreuberg kam es zu einem echten Krimi bei der Frage, wer die Nachfolge von Christian Ströbele antritt. Nur knapp konnte sich Canan Bayram (26,3 Prozent der Erststimmen) gegen Pascal Meiser von der Linken (24,9 Prozent) durchsetzen. Alle Ergebnisse der Direktkandidaten gibt es in unserem Überblick der zwölf Berliner Wahlkreise.

In welchem Kiez sich welche Partei durchsetzen konnte, zeigt unsere große Wahlkarte. Zoomen Sie einfach zu Ihrer Straße und sehen Sie die Stimmanteile bei den Zweitstimmen - deutlich zu sehen ist dabei, wie unterschiedlich die Ergebnisse der Briefwahl und der Urnenwahl sein können. 

So sieht der neue Bundestag aus

Wie alt (oder jung) ist das neu gewählte Parlament? Wie viele Abgeordnete sind weiblich und wie verteilen sie sich auf die Parteien? Welche Berufe dominieren bei ihnen und warum sitzen im neuen Bundestag erstmals mehr als 700 Abgeordnete? All das beantwortet unser großer Überblick zum neuen Bundestag.

Wie geht es jetzt weiter?

Nun stehen Partei- und Fraktionssitzungen, Sondierungen und Koalitionsgespräche an. Einen Überblick über die kommenden Ereignisse gibt unser Fahrplan. Erfolgreiche Koalitionen, das lehrt die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, basieren nicht allein auf Kompromissen in der Sache, sondern vielmehr auf einer guten Chemie zwischen den Beteiligten: Wer bei einer Jamaika-Koalition wichtig werden könnte und wie die einzelnen Parteien zueinander stehen, weiß Markus Decker.

Fest steht: "Diese Wahl wird unser Land verändern", schreibt Chefredakteur Jochen Arntz in seinem Leitartikel zur Bundestagswahl. "Wir werden mehr über unser Land erfahren, weil mehr Menschen offen zeigen, dass sie diese Gesellschaft ablehnen. Deutschland ist roher geworden. Aber noch einmal: Stellen wir uns dem, dem Streit, der Auseinandersetzung in dieser Gesellschaft." Außerdem analysiert er im Video, was die wieder gewählte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) falsch gemacht hat und wer die SPD jetzt retten kann. (mai.)